Europarechtskonformität
EU-Recht läuft im Hintergrund mit. Wer es übersieht, riskiert EuGH-Vertragsverletzungsverfahren.
Pruefstation 1 - EU-Anwendungsbereich
Beruehrt das Vorhaben einen unionsrechtlich harmonisierten oder mitgeregelten Bereich? Beispiele:
- DSA (Digital Services Act, VO 2022/2065) - Plattformregulierung
- DMA (Digital Markets Act, VO 2022/1925) - Gatekeeper
- AI Act (VO 2024/1689) - KI-Systeme
- eIDAS 2.0 (VO 2024/1183) - elektronische Identifizierung
- GDPR (VO 2016/679) - Datenschutz
- VO 1215/2012 (Brussel Ia) - Gerichtsstand
- VO 1393/2007 (Zustellungs-VO)
Pruefstation 2 - Primärrecht
- Grundfreiheiten Warenverkehr, Personenverkehr, Niederlassung, Dienstleistung, Kapitalverkehr (Art. 28 ff., 45 ff., 49 ff., 56 ff., 63 ff. AEUV)
- Diskriminierungsverbot Art. 18 AEUV
- Grundrechte-Charta (insbesondere Art. 7 und Art. 8 - Privatleben und Datenschutz; Art. 11 - Freiheit der Meinungsaeusserung; Art. 16 - unternehmerische Freiheit; Art. 47 - effektiver Rechtsschutz)
Pruefstation 3 - Sekundärrecht
- Welche Richtlinien und Verordnungen sind einschlaegig?
- Bei Richtlinien: Hat die nationale Umsetzungsfrist abgelaufen? Erfüllt das deutsche Recht bereits die RL?
- Bei VO: Direkt anwendbar - keine Umsetzung erforderlich, aber Ausführungsbestimmungen möglich.
Pruefstation 4 - Verhältnismaessigkeit nach EU-Massstab
- legitimer Zweck
- geeignet
- erforderlich (mildestes Mittel)
- angemessen
EuGH ist im Massstab oft strenger als BVerfG.
Pruefstation 5 - Notifizierungspflicht 2015/1535
Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Prüfen: Faellt das Vorhaben unter:
- "technische Vorschrift" iSd Art. 1 Nr. 11 RL 2015/1535
- "Vorschrift betreffend Dienste" iSd Art. 1 Nr. 5 (Dienste der Informationsgesellschaft)
Bei elektronischen Postfaechern, technischen Datenformaten, IT-Schnittstellen: in der Regel notifizierungspflichtig.
Pruefstation 6 - Subsidiaritaet Art. 5 EUV
Auch wenn die EU zustaendig waere - hat sie tatsächlich Recht gesetzt? Wenn nicht, kann der Mitgliedstaat regeln, soweit keine Sperrwirkung.
Pruefstation 7 - Vorlagepflicht Art. 267 AEUV
Anwendung im Vollzug: Wenn das nationale Gesetz zu EU-Recht Auslegungszweifel weckt, wird das Tatgericht ggf. den EuGH anrufen müssen.
Aktuelle Rechtsprechung & Leitsätze
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Zentrale Normen (Paragrafenkette)
Art. 288 AEUV (Rechtsakte, Verordnung, Richtlinie) — Art. 5 EUV (Subsidiaritaet, Verhaeltnismaessigkeit) — Art. 267 AEUV (Vorlagepflicht) — RL 2015/1535/EU Art. 1, 5 (Notifizierungspflicht) — Art. 51 Charta (Anwendungsbereich Grundrechte-Charta)
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Ausgabe
Pruefgutachten ein bis drei Seiten:
- EU-Bezug ja / nein / unsicher
- Einschlaegiges Primärrecht
- Einschlaegiges Sekundärrecht
- Verhältnismaessigkeit
- Notifizierungspflicht ja / nein
- Empfehlung: Notifizierung einleiten / nicht erforderlich
- Empfehlung: bestimmte Änderungen am Entwurf
Anschluss
goldplating-vermeiden, verfassungsmaessigkeit-quercheck.