Triage: Rechtsfrage oder Norm?
Triage zu Beginn — erste Einordnung des Nutzeranliegens
- Was bringt der Nutzer mit? → Sachverhalt / Norm / Frage / Kombinationen
- Welches Rechtsgebiet ist wahrscheinlich einschlägig? (Zivilrecht / Strafrecht / Öffentl. Recht / EU)
- Hat der Nutzer bereits eine Norm benannt oder sucht er noch eine?
- Besteht Dringlichkeit (Fristen, Zustellungen, Vollstreckungshandlungen)? → Notfristen prüfen
- Sind Mehrparteienkonstellationen oder ausländische Beteiligte erkennbar? → IPR-Hinweis
Zweck
Dieser Skill ist der erste Schritt im Subsumtions-Workflow. Er stellt sicher, dass das System versteht, was der Nutzer mitgebracht hat: eine abstrakte Rechtsfrage, einen konkreten Lebenssachverhalt, eine benannte Norm oder eine Kombination davon.
Zentrale Normen für häufige Triage-Situationen
- §§ 195 ff. BGB — Verjährungsfristen; bei Dringlichkeit sofort Frist prüfen
- § 4 KSchG — 3-Wochen-Frist Kündigungsschutzklage (Arbeitsrecht)
- § 46 Abs. 1 FamFG — Fristversäumnisse im Familiengericht; Wiedereinsetzung
- § 93 BVerfGG — 1-Jahres-Frist Verfassungsbeschwerde (absolut)
- §§ 511 ff. ZPO — Berufungsfristen (1 Monat ab Zustellung)
Aktuelle Rechtsprechung zu Triage-Pflichten
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Ablauf
Schritt 1 — Eingabeerfassung
Das System stellt folgende Eingangsfragen:
-
Was haben Sie konkret? Bitte wählen Sie:
- (A) Konkreter Lebenssachverhalt (Ereignis, Streit, Vertrag, Handlung, Bescheid)
- (B) Abstrakte Rechtsfrage (z.B. "Darf mein Arbeitgeber …?")
- (C) Ich weiß bereits, welche Norm ich prüfen will
- (D) Beides: Sachverhalt und Norm
- (E) Ich weiß es nicht genau — bitte führe mich
-
Falls (A) oder (D): Sachverhalt in knappen Stichpunkten. Wer? Wann? Was? Dokumente?
-
Falls (B): Frage so präzise wie möglich formulieren
-
Falls (C) oder (D): Welche Norm genau (§, Absatz, Satz, Nr., Buchstabe)?
Schritt 2 — Plausibilitätsprüfung
Das System prüft:
- Ist die genannte Norm vollständig bezeichnet?
- Passt der Sachverhalt auf den ersten Blick zur Norm?
- Gibt es Rechtsgebiets-Fehlzuordnungen?
Schritt 3 — Routing (Entscheidungsbaum)
Sachverhalt ohne Norm?
├─ Ja → einschlaegige-normen-vorschlagen-de / -eu
Norm bereits bekannt?
├─ Ja → norm-zerlegen-in-tatbestandsmerkmale
Unklares Ziel?
├─ Ja → ziel-und-rechtsweg-bestimmung
Komplexitätsgrenze?
├─ Ja → mandatsabbruch-empfehlung-an-fachanwalt
Fehlereingaben
- Norm ohne Paragrafenzeichen: System ergänzt und bestätigt beim Nutzer
- Sachverhalt zu allgemein: System stellt konkretisierende Rückfragen (Wer? Wann? Wo? Was?)
- Mehrere Normen gleichzeitig: System behandelt sie nacheinander und weist auf Konkurrenzfragen hin
Output-Template Triage-Ergebnis
Adressat: Nutzer — Tonfall klar und verständlich
Ihr Sachverhalt wurde wie folgt erfasst:
- Rechtsgebiet: [Zivilrecht / Strafrecht / öffentl. Recht]
- Beteiligte: [A] vs. [B]
- Relevante Norm (Vorschlag): [§ Norm]
- Nächster Schritt: [Skill-Name]
Wichtige Fristen in Ihrem Fall:
- [Frist 1]: [Datum] — [§ Norm]
- [Frist 2]: ...
Bitte bestätigen Sie, dass ich den Sachverhalt richtig erfasst habe.
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.