agentische-datenbank-recherche
Zweck
Das ist das Master-Skill des Plugins: Es führt agentisch durch die wichtigsten Patentdatenbanken. Während das System im Hauptfenster sichtbar durch die Datenbank navigiert, erscheint das Ergebnis strukturiert im Chat.
Eingaben
- Suchauftrag in natürlicher Sprache ("Bitte recherchiere zu folgender Erfindung den Stand der Technik in Europa und USA …").
- Erfindungsmaterial: Erfindungsbeschreibung, Anspruchsentwurf, Datenblatt, Skizzen, Memo. Drag-and-Drop oder Datei-Upload.
- Klassen aus dem vorgelagerten Skill
klassifikation-cpc-ipc(Hauptklasse + Nebenklassen, CPC und IPC). - Rechtsraum aus dem Kaltstart-Interview oder ad hoc gewählt.
- Recherchezweck (Stand der Technik / Neuheit / FTO / Monitoring / Bescheid) — bestimmt die Filtersetzung.
Datenbanken und ihre agentische Bedienung
1. Espacenet — https://worldwide.espacenet.com
- Betreiber: EPA. ~150 Millionen Patentdokumente weltweit. Volltext bei vielen Dokumenten, Maschinenübersetzung Patent Translate für ~30 Sprachen.
- Smart Search für freien Volltext: Eingabefeld oben akzeptiert kurze Fragen und ganze Sätze.
- Advanced Search für strukturierte Suche: Felder
txt(Titel/Abstract),desc(Beschreibung),claims,cpc,ipc,ti(Titel),ab(Abstract),in(Erfinder),pa(Anmelder),pn(Publikationsnummer),pd(Publikationsdatum),prd(Prioritätsdatum),ap(Anmelde-Nr.). Boolesche OperatorenAND,OR,NOT, Wildcards*, Nachbarschaftprox/distance<n>undprox/unit=sentence. - Familien-Ansicht: "Family list" und "INPADOC patent family" — wichtig für Dedup.
- Classification Search: Espacenet CPC Browser.
- Agentische Bedienung: Smart Search akzeptiert natürlichsprachige Suchaufträge und ganze Texte. Drag-and-Drop des Erfindungsmaterials in das Smart-Search-Feld; das System scrollt durch die Trefferliste, öffnet Treffer in "Family list"-Ansicht, sammelt Metadaten.
2. Google Patents — https://patents.google.com
- Betreiber: Google. ~120 Millionen Patentdokumente, sehr gute Volltextsuche mit semantischer Erweiterung, Maschinenübersetzung. Google Scholar Cross-Search für Nicht-Patent-Literatur (Aufsätze, Konferenz-Proceedings).
- Suche: Suchfeld akzeptiert ganze Sätze und Anspruchstext. Filter links: Klasse (CPC), Erfinder, Anmelder, Datum, Patentamt, Sprache, Status.
- Prior Art Finder: Bei jedem Treffer Button "Find prior art" — automatische Vorschläge für ähnliche Dokumente.
- Agentische Bedienung: Suchauftrag in das Hauptsuchfeld, Filter setzen, Klassen-Filter aus dem CPC-Set, Status-Filter (Granted / Application / Expired) je nach Recherchezweck.
3. DPMAregister — https://register.dpma.de
- Betreiber: DPMA. Rechtsstand deutscher Patente und Gebrauchsmuster: Anmeldetag, Erteilung, Erlöschen, Einspruch, Nichtigkeit, Jahresgebühren bezahlt, Stand offen / erteilt / zurückgenommen / zurückgewiesen / erloschen / nichtig.
- Recherche nicht stark — DPMAregister ist die Rechtsstands-Datenbank. Volltextrecherche läuft über DEPATISnet.
- Agentische Bedienung: Eingabe Veröffentlichungsnummer oder Anmeldenummer, Direkt-Abruf Rechtsstand. Bei FTO und Einspruch immer DPMAregister hinzuziehen.
4. DEPATISnet — https://depatisnet.dpma.de
- Betreiber: DPMA. Recherchedatenbank mit weltweitem Patentdokumentenbestand (DEPATIS — Datenbankzugang in den Patentinformationszentren).
- Klassen-Recherche stark, deutscher Volltext vorhanden, Anmelder- und Erfindersuche.
- Agentische Bedienung: "Einsteigerrecherche" für natürlichsprachige Eingabe, "Expertenrecherche" mit IKOFAX-Syntax (Befehlsmodus). Für DE-Schwerpunkt sinnvoll.
5. EPO Register — https://register.epo.org
- Betreiber: EPA. Rechtsstand europäischer Patentanmeldungen und EP-Patente. Akteneinsicht teilweise öffentlich nach Veröffentlichung der Anmeldung — Rechercheberichte, Prüfungsbescheide, Antworten, Einspruchsschriften.
- Agentische Bedienung: Eingabe Veröffentlichungsnummer (EP …), Direkt-Abruf Rechtsstand und "All Documents". Für Einspruchsstrategie und FTO essenziell.
6. WIPO PATENTSCOPE — https://patentscope.wipo.int
- Betreiber: WIPO. PCT-Anmeldungen (Welt-Anmeldungen WO …), nationale Phasen, ISA-Recherchebericht.
- Cross-Lingual Expansion: WIPO Translate für Volltextsuche in mehreren Sprachen.
- Agentische Bedienung: Suchfeld für natürlichsprachige Suche, Klassenfilter, Frist-Tracker für die nationalen Phasen.
7. USPTO Patent Public Search — https://ppubs.uspto.gov/pubwebapp/external.html
- Betreiber: USPTO. US-Patente und Anmeldungen. PatFT und AppFT in PPUBS zusammengefasst (ab 2022). Volltext der US-Dokumente, CPC- und USPC-Klassifikation.
- Agentische Bedienung: Quick Lookup oder Advanced Search mit Boolescher Syntax, Felder
.TI.,.AB.,.CLM.,.AN.(Assignee),.IN.(Inventor),.CPC.,.APD.(Filing Date).
Ablauf
Schritt 1: Suchauftrag normalisieren
Das System liest den natürlichsprachigen Auftrag, identifiziert:
- Welche Datenbanken sind angesprochen (alle / nur EU / nur DE / Weltreichweite)?
- Welcher Zeitraum (Anmelde- / Veröffentlichungsdatum, vor / nach Stichtag)?
- Welcher Recherchezweck?
- Welche Schlüsselbegriffe (aus dem Material extrahiert)?
Schritt 2: Such-Strings je Datenbank bauen
Pro Datenbank ein eigener Suchstring — die Syntax unterscheidet sich:
Espacenet (Advanced Search):
((cpc=H02J3/14 OR cpc=Y02E60/00) AND (txt="lastmanagement" OR txt="demand response") AND pd>=2018)
Google Patents:
(lastmanagement OR demand response) (CPC=H02J3/14 OR CPC=Y02E60/00) after:2018-01-01
DEPATISnet (IKOFAX):
ICB=H02J3/14? UND TI=lastmanagement?
USPTO PPUBS:
(lastmanagement OR (demand ADJ response)).TI,AB,CLM. AND CPC/H02J3/14
Die Strings werden dokumentiert ausgegeben, damit die Recherche reproduzierbar bleibt.
Schritt 3: Datenbanken nacheinander ansteuern
Pro Datenbank:
- URL öffnen.
- Suchstring eingeben oder bei Smart Search den Erfindungstext einfügen.
- Trefferzahl notieren (Sanity Check: 5 oder 50.000 Treffer sind beide ein Problem).
- Bei Überschwemmung: Filter setzen (Klasse, Datum, Anmelder) und Refinement bis Trefferzahl handhabbar (≤200) wird.
- Trefferliste durchgehen — Titel, Abstract, Hauptanspruch, Klassen, Zeichnungen.
- Treffer, die zur Erfindung passen: in die Ergebnistabelle übernehmen.
Schritt 4: Trefferliste zusammenführen
Tabelle mit Spalten:
| Veröff.-Nr. | Anmelder | Anmeldetag (Prio) | CPC / IPC | Titel | Status | Link | Quelldatenbank |
Schritt 5: Patentfamilien deduplizieren
Über das Skill patentfamilien-analyse die INPADOC-Familie jedes Treffers prüfen — wenn ein US-Patent und sein EP-Pendant denselben Prioritätstag haben, gehören sie zur selben Familie und können als ein Treffer (mit Familien-Auflistung) zusammengefasst werden.
Schritt 6: Maschinenübersetzungen kennzeichnen
Wenn ein Treffer aus JP-, CN-, KR-, RU- oder anderen Nicht-Englisch / Nicht-Deutsch / Nicht-Französisch-Quellen stammt und nur als Maschinenübersetzung lesbar ist: explizit kennzeichnen mit [MT] hinter dem Titel.
Schritt 7: Output
Strukturierte Ergebnisliste mit:
- Suchstrings je Datenbank
- Trefferzahlen je Datenbank
- Treffertabelle (Veröff.-Nr., Anmelder, Anmeldetag, Klassen, Titel, Status, Link, Quelldatenbank)
- Familien-Cluster wo dedupliziert
- Disclaimer (siehe unten)
Grenzen der agentischen Recherche
- Volltextsuche funktioniert nicht in allen Sprachen gleich gut. JP, CN, KR sind oft nur über Klassen- und Anmelder-/Titel-Suche zuverlässig erreichbar.
- Bezahl-Datenbanken (PatBase, STN, Orbit, Questel) werden nicht agentisch bedient. Wenn die Kanzlei Zugänge hat: dort selbst recherchieren, Ergebnisse manuell zuführen.
- Nicht-Patent-Literatur (NPL) — Aufsätze, Konfere