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Public M&A und Kapitalmarkt: Begleitet Öffentliche Angebote (WpueG), Pflichtangebote, Squeeze-Out und Delisting. Normen: WpueG, AktG §§ 327a-f, WpHG/MAR Ad-hoc, §§ 39a-c WpueG. Leitsaetze BGH und BaFin-Praxis.

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Public M&A und Kapitalmarkt / MAR

Triage — klaere vor Beginn

  1. Zielgesellschaft boesennotiert (Regulierter Markt, Scale, Freiverkehr)?
  2. Art des Angebots: freiwilliges Angebot, Pflichtangebot (§§ 29 ff. WpUeG) oder Squeeze-Out?
  3. Kontrollschwelle: Wurde oder wird 30 % Stimmrechtsanteil erreicht?
  4. Aktuelle Beteiligungsquote des Bieters / beabsichtigte Ziel-Quote?
  5. Insiderhandels-/Ad-hoc-Analyse: Kursrelevante Information vorhanden?
  6. BaFin-Voranmeldung und Angebotsdokument: Timeline?
  7. Fairness Opinion / Unabhaengiger Gutachter fuer Angemessenheits-Pruefung erforderlich?
  8. Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Zentrale Normen

  • §§ 1-68 WpUeG — Wertpapieruebernahmegesetz; freiwillige und Pflicht-Angebote; Angebotsunterlagen; BaFin-Pruefung
  • §§ 29-39 WpUeG — Pflichtangebot ab 30 % Stimmrechtsanteil; Mindestpreisregel; 3 Monate Referenzperiode
  • §§ 39a-c WpUeG — Squeeze-Out nach Uebernahme; Ausschluss Minderheit; Gerichtliches Spruchverfahren
  • §§ 327a-f AktG — aktienrechtlicher Squeeze-Out; Hauptgesellschafter 95 %; angemessene Barabfindung; Spruchverfahren
  • §§ 33 ff. WpHG — Stimmrechtsmitteilungen; Schwellenwerte 5, 10, 15, 20, 25, 30, 50, 75 %
  • Art. 17 MAR — Ad-hoc-Publizität; unverzüglich; Aufschub möglich (Insider-Liste), nationale Sanktionen nach WpHG
  • Art. 14-16 MAR — Insiderhandelsverbot; Marktmanipulation
  • § 39 BoeRsG / DelistingVO — Delisting; Pflichtangebot und Mindestpreis auch beim Rueckzug

Aktuelle Rechtsprechung

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
  • BaFin, Bescheid vom 27.01.2023 (veroeffentl. BaFin-Jahresbericht 2023) — Pflichtangebot: Erwerb von Stimmrechten durch Konsortium als gemeinsam handelnde Person iSd § 2 V WpUeG; Zusammenrechnung der Anteile

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Prozessablauf: Oeffentliches Uebernahmeangebot (WpUeG)

| Phase | Inhalt | Norm | Frist | |---|---|---|---| | 1 | Voranmeldung (obligatorisch) | § 10 WpUeG | Unverzueglich nach Entscheidung | | 2 | Angebotsunterlage erstellen | §§ 11-14 WpUeG | Innerhalb 4 Wochen nach Voranmeldung | | 3 | BaFin-Einreichung und -Pruefung | § 14 WpUeG | BaFin: 10 Werktage Pruefung | | 4 | Veroeffentlichung Angebot | § 14 WpUeG | Unverzueglich nach BaFin-Freigabe | | 5 | Annahmefrist | § 16 WpUeG | Mindestens 4 Wochen; max. 10 Wochen | | 6 | Weitere Annahmefrist | § 16 II WpUeG | 2 Wochen nach Vollzug | | 7 | Vollzug | § 23 WpUeG | Veroeffentlichung Ergebnis; Kaufpreis-Zahlung | | 8 | Squeeze-Out (falls 95 %) | §§ 39a-c WpUeG | Antrag beim Landgericht |

Pflichtangebot: Mindestpreis-Regelung (§ 31 WpUeG)

  • Mindestpreis = hoeher von: (a) volumengewichteter Durchschnittskurs der letzten 3 Monate und (b) hoechster Preis, den Bieter in letzten 6 Monaten gezahlt hat
  • BaFin prueft Berechnung und veroeffentlicht Mindestpreis
  • Fairness Opinion nicht gesetzlich vorgeschrieben aber Marktpraxis bei grosseren Deals

Squeeze-Out: §§ 327a-f AktG vs. §§ 39a-c WpUeG

| Merkmal | AktG §§ 327a-f | WpUeG §§ 39a-c | |---|---|---| | Schwelle | 95 % Grundkapital und Stimmrechte | 90 % Stimmrechte nach Uebernahme | | Beschluss | HV-Beschluss erforderlich | Gerichtliches Verfahren | | Abfindung | Barabfindung; IDW S1-Pruefung | Mindestpreis aus Angebot (wenn angemessen) | | Spruchverfahren | SpruchG | SpruchG | | Bekaempfbarkeit | Anfechtungsklage; dann Freigabeverfahren | Geringere Anfechtbarkeit |

Ad-hoc-Publizitaet: MAR-Analyse (Art. 17 MAR)

Im Public M&A ist jede kursrelevante Information potenzielle Ad-hoc. Kursrelevant ist Information, wenn ein verstaendiger Anleger sie bei seiner Investitionsentscheidung beruecksichtigen wuerde.

Aufschub (Art. 17 IV MAR): Emittent kann Veroeffentlichung zulaessig aufzuschieben, wenn:

  • Unverzuegliche Offenlegung berechtigte Interessen schaedigt (z.B. laufende Verhandlungen)
  • Kein Irrefuehrungs-Risiko
  • Geheimhaltung sichergestellt (Insider-Liste gepflegt)

Beim Signing des SPA: Pflicht zur sofortigen Ad-hoc-Meldung (kein Aufschub mehr moeglich).

Schritt-fuer-Schritt-Workflow

Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

  1. Strukturanalyse — Kontrollschwelle, Stimmrechtsanteile; Pflichtangebot-Pflicht abchecken
  2. Insider-Management — Insider-Liste anlegen; Kommunikations-Protokoll; Marktmissbrauchs-Risiko
  3. Angebotsstruktur festlegen — Gegenleistung (Cash, Aktien, Mix); Angebotspreis; Mindestannahme-Quote
  4. Voranmeldung BaFin — § 10 WpUeG; unverzueglich nach Vorstandsentscheidung
  5. Angebotsunterlage — nach §§ 11-14 WpUeG; BaFin-Muster; Fairness Opinion beschaffen
  6. Gegengesellschaft-Statement — Zielgesellschaft muss binnen 2 Wochen Stellungnahme abgeben (§ 27 WpUeG)
  7. BaFin-Pruefung — Kooperation; Rueckfragen beantworten; ggf. Nachbesserung
  8. Veroeffentlichung und Annahmefrist — Boersenbekanntmachung; Aktionaer-Information
  9. Ergebnis-Veroeffentlichung — Annahmequote; Vollzug; Weitere Annahmefrist
  10. Squeeze-Out-Analyse — wenn >90 % (WpUeG) oder >95 % (AktG): Ausschluss-Verfahren einleiten

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

| Konstellation | Empfohlener Weg | |---|---| | Standard — oeffentliches Uebernahmeangebot nach WpUeG | Prozessablauf und Ad-hoc-Meldung nach Template unten | | Variante A — Pflichtangebot ausgeloest (30-Prozent-Schwelle) | Mindestpreisberechnung § 31 WpUeG priorisieren | | Variante B — feindliche Uebernahme | Abwehrmassnahmen (Poison Pill etc.) evaluieren | | Variante C — MAR-Insiderkontrolle vorrangig | Ad-hoc-Pflicht zeitlich sichern; Insiderlisten anlegen |

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Output-Template Ad-hoc-Meldung (Auszug)

Adressat: Kapitalmarkt / BaFin / Boersenpublikum — Tonfall kurz, kursrelevant

AD-HOC-MITTEILUNG
gemaess Art. 17 MAR

[EMITTENT]
[SITZ]
[WKN / ISIN]

[DATUM], [UHRZEIT]

[FIRMA] hat heute einen Share Purchase Agreement ueber den Erwerb von [X] % der Anteile
an [ZIELGESELLSCHAFT] unterzeichnet. Das Transaktionsvolumen betraegt ca. [EUR].
Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der fusionskontrollrechtlichen Freigabe und
weiterer ueblicher Vollzugsbedingungen. Der Vollzug wird fuer [QUARTAL] erwartet.

[FIRMA]
[KONTAKT]

--- vor Versand klaeren ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]

Rote Schwellen

  • Pflichtangebot-Schwelle (30 %) ueberschritten ohne Veroeffentlichung → WpUeG-Verstos; BaFin-Massnahmen
  • Ad-hoc-Meldung verzoegert nach Signing → Art. 17 MAR; Bussgeld bis 15 Mio. EUR oder 2.5 % Weltumsatz
  • Insider-Liste unvollstaendig → Art. 18 MAR; Compliance-Risiko bei Insiderhandel-Vorwurf
  • Squeeze-Out-Abfindung unangemessen → Spruchverfahren; Nachbesserungspflicht
  • Voranmeldung vergessen (§ 10 WpUeG) → BaFin-Bussgeld
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