Eigenbedarfskündigung erstellen (Vermieter / Hausverwaltung)
Disclaimer (Schlüsselstelle, mehrfach)
Die Eigenbedarfskündigung ist eines der streitanfälligsten Felder des Mietrechts. Eine formell oder materiell fehlerhafte Kündigung ist unwirksam — der Mieter darf in der Wohnung bleiben. Bei späterem Wegfall des Eigenbedarfs vor Auszug droht Schadensersatz (BGH-Rspr. zur Vortaeuschung). Vor Versand ist eine fachanwaltliche Prüfung dringend empfohlen. Diese Auto-Erstellung ersetzt nicht die anwaltliche Vertretung.
Workflow
Schritt 1 — Berechtigtes Interesse prüfen (§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB)
- Eigennutzung durch den Vermieter selbst.
- Familienangehörige — Eltern Kinder Geschwister Ehegatten eingetragene Lebenspartner.
- Haushaltsangehörige — Personen die mit dem Vermieter dauerhaft im Haushalt leben (z. B. Pflegekraft Lebensgefährtin).
- Eigenbedarf juristischer Personen (GmbH AG) ist nicht möglich — Kündigung wegen Eigenbedarfs setzt natürliche Person voraus.
- Konkret und vernuenftig nachvollziehbar — nicht bloss vorsorglich oder spekulativ.
Schritt 2 — Begründung im Kündigungsschreiben (§ 573 Abs. 3 BGB)
Die Begründung muss im Schreiben enthalten sein und so konkret sein dass der Mieter die Schlüssigkeit prüfen kann:
- Name der begünstigten Person und Verhältnis zum Vermieter.
- Warum die Wohnung gerade für diese Person benötigt wird.
- Aktuelle Wohnsituation der begünstigten Person.
- Zeitpunkt des Bedarfs.
Pauschale Floskeln wie "wegen Eigenbedarfs" reichen nicht.
Schritt 3 — Kündigungsfristen (§ 573c BGB)
Je nach Dauer des Mietverhältnisses beim Mieter:
- Bis fünf Jahre: drei Monate.
- Fünf bis acht Jahre: sechs Monate.
- Ab acht Jahren: neun Monate.
Zugang spätestens am dritten Werktag eines Monats für das Ende dieses Monats plus die jeweilige Frist.
Schritt 4 — Sperrfristen nach Landesverordnung
Bei Umwandlung der Mietwohnung in eine Eigentumswohnung vor der Veräußerung an einen neuen Eigentümer gilt nach § 577a BGB eine Sperrfrist von drei Jahren ab Veräußerung — in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt durch Landesverordnung verlängert auf bis zu zehn Jahre. Prüfung in references/mietspiegel-quellen.md (Spalte Kündigungssperrfristverordnung).
Schritt 5 — Sozialklausel (§ 574 BGB)
Der Mieter kann der Kündigung widersprechen wenn:
- Beendigung eine Härte bedeutet die auch unter Würdigung der berechtigten Interessen des Vermieters nicht zu rechtfertigen ist.
- Klassische Härtefälle: hohes Alter Krankheit Schwangerschaft fehlender Ersatzwohnraum.
- Widerspruch ist spätestens zwei Monate vor Ende der Mietzeit zu erklären (§ 574b Abs. 2 BGB).
- Rechtsfolge: Fortsetzung des Mietverhältnisses für angemessene Zeit (§ 574a BGB).
Der Vermieter muss im Kündigungsschreiben auf das Widerspruchsrecht hinweisen (§ 568 Abs. 2 BGB) — sonst verlängerte Widerspruchsfrist.
Schritt 6 — Vortaeuschung und Schadensersatz (verifiziert dejure.org)
- BGH 14.12.2016, VIII ZR 232/15: Bei Vortaeuschung des Eigenbedarfs haftet der Vermieter dem gekuendigten Mieter auf Schadensersatz nach §§ 280 Abs. 1, 311a Abs. 2 BGB; ersatzfaehig sind Umzugskosten, Maklerkosten, Mehrkosten neuer Mietwohnung und ggf. Anwaltskosten. Quelle: dejure.org/2016,46126 / NJW 2017, 1474.
- BGH 10.05.2017, VIII ZR 292/15: Wegfall des Eigenbedarfs nach Ausspruch der Kuendigung — Vermieter muss den Mieter unverzueglich informieren, sonst Schadensersatzpflicht. Quelle: dejure.org/2017,15097.
- BGH 27.06.2007, VIII ZR 271/06: Eigenbedarf einer GbR (Aussengesellschaft) — Eigenbedarf kann fuer die Gesellschafter geltend gemacht werden, sofern die GbR Vermieter ist und der Gesellschafter Eigenbedarf hat. Quelle: dejure.org / NJW 2007, 2845.
Schritt 7 — Formale Anforderungen (§ 568 Abs. 1 BGB)
- Schriftform zwingend — eigenhändige Unterschrift des Vermieters (oder aller Vermieter wenn Personenmehrheit).
- Bei juristischer Person als Vermieter: Unterschrift des organschaftlich Vertretungsberechtigten.
- Adressierung alle Mieter namentlich.
- Zustellung nachweisbar (Einschreiben mit Rückschein oder Bote mit Zustellungsprotokoll).
Schreiben-Entwurf
Erzeuge ein Kündigungsschreiben mit:
- Absender Vermieter mit Anschrift.
- Adresse aller Mieter namentlich.
- Bezugnahme auf den Mietvertrag (Datum Mietsache).
- Kündigungserklärung mit konkretem Endtermin.
- Begründung nach § 573 Abs. 3 BGB: begünstigte Person Verhältnis Wohnsituation Bedarfslage.
- Hinweis auf das Widerspruchsrecht des Mieters nach § 574 BGB und die Widerspruchsfrist nach § 574b Abs. 2 BGB.
- Eigenhaendige Unterschrift aller Vermieter.
- Disclaimer — Hinweis dass der Mieter sich beraten lassen sollte (Mieterverein Fachanwalt).
Vor Versand (Disclaimer wiederholt)
Vor Versand der Eigenbedarfskündigung: fachanwaltliche Prüfung. Risiko: Unwirksamkeit Schadensersatz strafrechtliche Verfolgung bei Vortaeuschung. Sperrfristen aus Landesverordnung prüfen.
Aktuelle Rechtsprechung Eigenbedarfskündigung (Stand 05/2026, verifiziert dejure.org)
- BGH, Urt. v. 24.09.2025 – Az. VIII ZR 289/23 — Anforderungen an die Begruendung nach § 573 Abs. 3 BGB sind nicht ueberzogen; Eigenbedarf bleibt wirksam auch wenn der Vermieter zunaechst Eigennutzung waehrend Umbau plant und spaetere Veraeusserung beabsichtigt. Konkretisierung des Massstabs „ernsthafter, vernuenftiger, nachvollziehbarer Eigennutzungswunsch". Quelle: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=24.09.2025&Aktenzeichen=VIII+ZR+289/23
- BGH 14.12.2016, VIII ZR 232/15 — Schadensersatz bei vorgetaeuschtem Eigenbedarf (https://dejure.org/2016,46126)
- BGH 10.05.2017, VIII ZR 292/15 — Mitteilungspflicht bei Wegfall des Eigenbedarfs (https://dejure.org/2017,15097)
- BGH 22.05.2019, VIII ZR 180/18 — Haerteklausel § 574 BGB; Pflicht zur Abwaegung Vermieter-/Mieterinteressen, alters- oder krankheitsbedingte Haerten substantiiert pruefen (https://dejure.org/2019,12824)
- BGH 11.12.2019, VIII ZR 144/19 — Haerteklausel: Hochbetagtes Alter und langjaehrige Verwurzelung koennen Vertragsfortsetzung tragen; nur ausnahmsweise unbefristete Fortsetzung (https://dejure.org/2019,49075)
- BGH 09.05.2012, VIII ZR 238/11 — „Vorratskündigung"-Verbot; Eigenbedarf muss konkret-bevorstehend sein (https://dejure.org/2012,12036)
Weitere Entscheidungen vor Ausgabe per dejure.org / bundesgerichtshof.de mit Datum und Aktenzeichen verifizieren.
Paragrafenkette Eigenbedarfskündigung
§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB (berechtigtes Interesse Eigenbedarf) → § 573 Abs. 3 BGB (Begründungspflicht) → § 573c BGB (Kündigungsfristen) → § 568 Abs. 1 BGB (Schriftform) → § 568 Abs. 2 BGB (Widerspruchshinweis) → § 574 BGB (Sozialklausel Widerspruch) → § 574b BGB (Widerspruchsfrist 2 Monate) → § 577a BGB (Sperrfrist nach Umwandlung) → § 280 BGB (Schadensersatz bei vorgetäuschtem Eigenbedarf)
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Triage vor Erstellung Eigenbedarfskündigung
Kläre vor Beginn:
- Natürliche Person als Vermieter? (Juristische Personen können keinen Eigenbedarf geltend machen)
- Berechtigte Person konkret benannt? (Name Verhältnis Wohnsituation Bedarfsgrund)
- Wurde die Wohnung nach Abschluss des Mietvertrags in Wohnungseigentum umgewandelt? (Sperrfrist § 577a BGB prüfen)
- Welche Mietdauer liegt vor? (Bestimmt Kündigungsfrist § 573c BGB)
- Ist der Hinweis auf das Widerspruchsrecht nach § 574 BGB vorbereitet?
Output-Template Eigenbedarfskündigungsschreiben
Adressat: Mieter — Tonfall sachlich-erklärend, Schriftform zwingend
[VERMIETER]
[ADRESSE VERMIETER]
An [ALLE MIETER MIT NAMEN]
[ADRESSE MIETWOHNUNG]
[ORT], [DATUM]
Kündigung des Mietverhältnisses wegen Eigenbedarfs
Sehr geehrte/r Herr/Frau [NAME],
hiermit kündige ich das mit Ihnen bestehende Mietverhältnis über die Wohnung
[ANSCHRIFT, LAGE, STOCKWERK, QM]