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erstgespraech-mandatsannahme

Strukturierter Erstgespraechsleitfaden für Sozialrecht (SGB I-XIV): Erfassung der Konstellation, Konflikt- und GwG-Check, Vollmacht, Streitwert/Gebührenvereinbarung, Fristen-Erstprognose und Handlungsweichen.

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Erstgespraech und Mandatsannahme im Sozialrecht (SGB I-XIV)

Triage — kläre vor Mandatsannahme Sozialrecht

  1. Liegt eine laufende Frist vor (Widerspruch 1 Monat § 84 SGG, Klage 1 Monat § 87 SGG, Überprüfungsantrag § 44 SGB X 4 Jahre)? Sofort sichern.
  2. Gegenstand: Buergergeld, Rente EM/Alter, GdB/SchwbR, Pflegegrad, Krankengeld, Reha, BG-Unfall?
  3. Aufschiebende Wirkung noch gegeben (§ 86a SGG) oder Eilantrag § 86b SGG erforderlich?
  4. PKH/VKH wahrscheinlich? Im Sozialrecht kein Kostenrisiko für Kläger (kostenfreies Verfahren § 183 SGG).
  5. GwG-Pflicht: Mandant identifiziert (§§ 10 ff. GwG)? Bei einfachem Sozialrechtsmandat meist niedrige GwG-Risikostufe.

Aktuelle Rechtsprechung

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
  • Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Wann dieser Skill greift

  • Neue Anfrage aus dem Bereich Sozialrecht (SGB I-XIV) (Telefon, Mail, Empfehlung, Walk-in).
  • Mandantin oder Mandant beschreibt Sachverhalt unstrukturiert; viele Anlagen ohne System.
  • Vor jeder weiteren fachlichen Bearbeitung: erst Annahme klaeren, Konflikt- und GwG-Pruefung, Vollmacht, Streitwert/Vereinbarung, Fristen.

Phasen des Erstgespraechs

1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.)

Standard-Fragenraster fuer Sozialrecht (SGB I-XIV):

  • Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klaegerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter)
  • Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?")
  • Konkrete fachliche Stossrichtung: Buergergeld, Rente, GdB/SchwbR, Pflegegrad, Hilfsmittel, ALG, Reha
  • Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?)
  • Fristenscreening sofort: anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben (z.B. Widerspruch + SG-Klage, Eilantrag § 86b SGG, Ueberpruefungsantrag § 44 SGB X). Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben.

2. Konflikt-Pruefung und GwG-Check (5 Min.)

  • Konflikt-Check ueber Mandantsystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant?
  • GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis (Ausweisscan), bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregister-Auszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n.
  • Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug.
  • Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG fuer RA-Mandate).

3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung

  • Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet).
  • Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, KV-Abrechnungsdaten, Sozialdaten (Schweigepflichtentbindung gegenueber Krankenkasse, Arzt, Behoerde).
  • Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klaeren.

4. Streitwert und Gebuehrenvereinbarung

Standard-Streitwerte im Bereich Sozialrecht (SGB I-XIV):

  • Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen).
  • RVG-Pauschalrechnung (Berechnungstool im Plugin) oder Stundenhonorarvereinbarung.
  • Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag pruefen, wenn wirtschaftlich angezeigt.
  • Vorschussanforderung nach § 9 RVG.

5. Strategie-Erstskizze

Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs:

  • Mandat annehmen: vollstaendig (Pruefung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Pruefung/Gutachten).
  • Verweisen: wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzustaendig oder Konflikt.
  • Ablehnen: offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht.

Pflicht-Output am Ende

  1. Mandatsbogen mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert.
  2. Frist-Liste (Sofortfristen, Verjaehrung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen).
  3. Anlagenverzeichnis des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren).
  4. Naechster-Schritt-Plan: binnen 24/48/72 h, Owner, Output.
  5. Honorarvereinbarung unterschrieben oder Vorbehalt notiert.

Relevante Rechtsgrundlagen und Standards

  • BORA, BRAO, FAO fuer Fachanwaltschaft Sozialrecht (SGB I-XIV).
  • GwG, GwGMeldV, Identifizierungsleitfaden BRAK.
  • SGB I-XIV, SGG, AsylbLG, BVG, SchwbVwV (fuer fachliche Erstpruefung).
  • DSGVO und BDSG fuer den Umgang mit Mandantendaten (Art. 6 DSGVO als Rechtsgrundlage, Art. 9 ggf. Gesundheitsdaten).

Typische Fehler im Erstgespraech

  • Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen).
  • Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang (gleiche Liegenschaft, gleicher Sachverhalt).
  • Vollmachtsumfang unklar -> spaeter Streit mit Mandantin ueber Befugnisse.
  • Honorarvereinbarung muendlich -> Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit.
  • GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk ueber Risikobewertung.

Praxis-Checkliste

  • [ ] Personalien und Rolle aller Beteiligten erfasst
  • [ ] Konflikt-Check durchgefuehrt
  • [ ] GwG: Identifizierung + Risikobewertung notiert
  • [ ] Allgemeine Vollmacht unterschrieben
  • [ ] Speziale Vollmacht / Entbindungserklaerung (wo noetig) unterschrieben
  • [ ] Streitwert geschaetzt
  • [ ] Honorarvereinbarung unterschrieben oder ausdruecklich auf RVG verwiesen
  • [ ] Fristenliste angelegt und in Kalender eingetragen
  • [ ] Mandatsbogen vollstaendig
  • [ ] Naechster-Schritt-Plan dem Mandanten kommuniziert (E-Mail-Zusammenfassung)

Konkrete Praxis-Konstellationen

Konstellation A: Eilbeduerftigkeit

Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag (Klage- oder Widerspruchsfrist im Bereich Sozialrecht (SGB I-XIV)). Handlungs-Sequenz:

  1. Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behoerdenportal).
  2. Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO, § 110 AO) als Reserve dokumentieren.
  3. Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis.
  4. Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten - aber transparent kommunizieren.

Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert

Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen). Vor jeder fachlichen Bewertung:

  1. Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile.
  2. Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl - Spielraum fuer Verjaehrungs- und Ausschlussfristen identifizieren.
  3. Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog).

Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe

Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang. Pruefung:

  1. § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA - Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet.
  2. Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung).
  3. Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen.

Mandanten-Erwartungsmanagement

  • Realistische Erfolgs- und Kostenprognose (nicht "Wir gewinnen sicher").
  • Verfahrensdauer im Bereich Sozialrecht (SGB I-XIV): Erfahrungswerte nach Instanz.
  • Vergleichschance vs. streitiges Urteil als Option offen halten.
  • Schriftliche Zusammenfassung des Erstgespraechs binnen 48 h.

Honorarvereinbarung - Best Practices

  • RVG-Basis als Default, Stundenhonorar nur mit gesondertem Hinweis nach § 3a RVG.
  • Erfolgshonorar nur in den engen Grenzen § 4a RVG.
  • Vorschuss in Hoehe der voraussichtlichen 1. Instanz.
  • Klarstellung: Auslagen-Pauschale, USt, Reisekosten, Sachverstaendigenkosten gesondert.
  • Be
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