Doping-Verfahren
Kaltstart-Rückfragen
- Welche Substanz wurde in welchem Probematerial (Urin/Blut) bei welchem Anlass (Wettkampf oder Training) nachgewiesen?
- Liegt die B-Proben-Analyse bereits vor — oder wird sie noch beantragt (Frist nach Verbandszusage, üblicherweise sieben Tage)?
- Wurde die Substanz bewusst eingenommen, oder besteht eine andere Erklärung (Verunreinigung Supplement, Medikament mit TUE, Kontamination)?
- Welche Sanktionen drohen konkret — Standardsperre zwei oder vier Jahre, Wettkampfdisqualifikation, Preisgeldrückzahlung?
- Ist eine Therapeutic Use Exemption (TUE) vorhanden oder nachholbar für die nachgewiesene Substanz?
- Sind Whereabouts-Verstöße kumuliert (drei in zwölf Monaten = Art. 2.4 WADA-Verstoß)?
- Läuft ein paralleles Strafverfahren nach § 4 AntiDopG — ist Koordination mit einem Strafverteidiger notwendig?
- In welchem Verfahrensstadium ist das Mandat (NADA-Anhörung, DK-Entscheidung, DIS-Schiedsgericht, CAS)?
- Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)
Rechtsgrundlagen
| Norm | Inhalt | |---|---| | Art. 2.1 WADA-Code 2021 | Strict Liability: Anwesenheit der verbotenen Substanz genügt für Tatbestand | | Art. 2.4 WADA-Code 2021 | Whereabouts-Verstöße: drei Verstöße in zwölf Monaten | | Art. 3.1 WADA-Code 2021 | Beweisstandard NADA: comfortable satisfaction | | Art. 9 WADA-Code 2021 | Disqualifikation der Wettkampfergebnisse | | Art. 10.2.1 WADA-Code 2021 | Standardsperre vier Jahre bei vorsätzlichem Verstoß | | Art. 10.2.2 WADA-Code 2021 | Zwei Jahre bei fehlendem Vorsatz | | Art. 10.5 WADA-Code 2021 | No fault or negligence: vollständige Aufhebung der Sperre möglich | | Art. 10.6.1 WADA-Code 2021 | No significant fault or negligence: Reduzierung bis zur Hälfte | | Art. 10.14 WADA-Code 2021 | Trainingsberechtigung während laufender Sperre | | Art. 13.2 WADA-Code 2021 | WADA-Berufungsrecht bei nationalen Entscheidungen (zwei Monate) | | Art. 17 WADA-Code 2021 | Verjährung: zehn Jahre | | § 4 AntiDopG | Straftatbestände: Selbstdoping bis drei Jahre; Fremddoping bis zehn Jahre | | Art. R49 CAS Code | CAS-Berufungsfrist: 21 Tage |
Leitentscheidungen
| Aktenzeichen | Gericht/Datum | Leitsatz | |---|---|---| | Rechtsprechung live prüfen | Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. | | Rechtsprechung live prüfen | Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. | | CAS 2014/A/3642 | CAS (2014) | No significant fault; Supplement-Kontamination; Kölner Liste relevant | | CAS 2019/A/6148 | CAS (2019) | Whereabouts-Verstöße; Kumulationsprinzip; Verfahrensmängel | | 4A_558/2011 | Schweizer BGer (2012) — Pechstein | CAS-Anfechtung vor BGer; enge Prüfung Ordre public |
Prüfschema (14 Schritte)
| Schritt | Inhalt | Grundlage | |---|---|---| | 1 | Verbotene Substanz auf WADA-Verbotsliste identifizieren | WADA Prohibited List (jährlich aktualisiert) | | 2 | A-Probe: Chain of Custody lückenlos? | Probennahme-Protokoll | | 3 | B-Probe anfordern (innerhalb der Verbandsfrist) | Verbandsordnung; WADA-Code | | 4 | TUE vorhanden? Retroactive TUE möglich? | TUE-Richtlinien WADA/NADA | | 5 | Quelle der Substanz ermitteln (Supplement, Medikament, Kontamination) | Supplement-Analyse; Medikationsplan | | 6 | Kölner Liste-Prüfung (supplement zertifiziert?) | Köln-Institut Prüfprotokoll | | 7 | No fault (Art. 10.5): vollständige Schuldlosigkeit nachweisbar? | WADA-Code Art. 10.5 | | 8 | No significant fault (Art. 10.6): Schuldminderung möglich? | WADA-Code Art. 10.6 | | 9 | Vorsatzfrage: Indizien für bewusste Einnahme? | Art. 10.2.1 vs. 10.2.2 | | 10 | Verfahrensmängel NADA-Disziplinarkommission: Anhörung, Akteneinsicht, Begründung | Verfahrensgrundsätze | | 11 | Berufungsfristen dokumentieren (DK → DIS → CAS) | Art. R49 CAS Code | | 12 | Paralleles Strafverfahren § 4 AntiDopG prüfen | AntiDopG §§ 1 ff. | | 13 | Sponsoring-/Vertragsfolgen der Sperre sichern | Vertragliche Klauseln | | 14 | Trainingsberechtigung während Sperre (Art. 10.14 WADA) | Art. 10.14 WADA-Code |
Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation | Empfohlener Weg | |---|---| | Standard — Doping-Verfahren Verteidigung | Einlassung; Template unten | | Variante A — NADA-Akzeptanz statt CAS | Strafreduzierungs-Verhandlung mit NADA bevorzugen | | Variante B — Kontaminiertes Supplement | Nachweis Sorgfalt; WADA-Contamination-Programme pruefen | | Variante C — Vorwurf Blutdoping | Biolog. Repassport-Analyse; Sachverstaendigen-Einbeziehung |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
Schriftsatzbausteine
Baustein 1 — Stellungnahme zur NADA-Disziplinarkommission (vollständig)
An die NADA-Disziplinarkommission
Hausadresse: [Adresse]
Az. NADA-DK: [...]
Stellungnahme im Verfahren gegen [Athlet, Geburtsdatum, Sportart]
wegen des A-Probe-Befunds vom [Datum]
Sehr geehrte Damen und Herren,
namens und in Vollmacht unserer Mandantschaft nehmen wir zur
Mitteilung vom [Datum] wie folgt Stellung:
I. Zur Verwertbarkeit der A-Probe
Die Verwertbarkeit des Analysebefundes ist zweifelhaft.
1. Chain of Custody: Das Probennahmeprotokoll vom [Datum/Ort]
(Anlage K1) zeigt, dass die Probe von [Ort A] am [Datum]
versiegelt wurde. Das WADA-akkreditierte Labor [Name] hat
die Probe am [Datum] entgegengenommen (Anlage K2).
In diesem Zeitraum ist die Dokumentation lückenhaft
[konkret bezeichnen]. Wir beantragen vollständige
Dokumentation der Transportkette.
2. Laboranalyse-Fehler: [Sofern konkrete Anhaltspunkte vorhanden]
Wir beantragen die B-Proben-Analyse in Anwesenheit unseres
Sachverständigen Dr. [Name].
II. Zur Quelle der Substanz
Für den Fall der Bestätigung des Befundes durch die B-Probe
tragen wir vor:
Die Substanz [Bezeichnung nach WADA-Verbotsliste] gelangte
durch die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels [Handelsname,
Charge: XXXXXXX] in den Körper unserer Mandantschaft.
Belege:
- Unabhängige Laboranalyse des Präparats (Anlage K3):
Die Analyse durch [Institut] vom [Datum] zeigt, dass
die Charge [Nummer] mit [Substanz] kontaminiert ist.
- Kaufnachweis [Datum, Händler] (Anlage K4).
- Das Präparat ist NICHT auf der Kölner Liste zertifiziert
(Anlage K5: Kölner Liste-Auszug).
III. Rechtliche Bewertung
A) No fault Art. 10.5 WADA-Code:
Unsere Mandantschaft hat [alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen:
Kölner Liste-Supplement bevorzugt; kein Wissen von Kontamination].
[Sofern keine Kölner-Liste-Produkt: erläutern warum kein Verschulden]
B) No significant fault Art. 10.6 WADA-Code:
Hilfsweise: Unsere Mandantschaft hat [konkrete Vorsichts-
maßnahmen] ergriffen, aber [konkrete Umstände] führten zur
unbewussten Einnahme. Die Schuld ist nicht signifikant.
Die Sperre ist auf das gesetzlich zulässige Mindestmaß
(50 % der Standardsperre = [X Monate]) zu reduzieren.
C) Kein Vorsatz Art. 10.2.2 WADA-Code:
Es gibt keinerlei Indizien für eine bewusste Einnahme.
Die Standardsperre von zwei Jahren (Art. 10.2.2) ist
angemessen; eine vierjährige Sperre ist nicht gerechtfertigt.
IV. TUE
Die Substanz [falls Medikament involviert] wird auf ärztliche
Verordnung von Dr. [Name] seit [Datum] eingenommen (Anlage K6:
Arztzeugnis). Ein TUE-Antrag wird bis [Datum] bei der
[Nationalen Anti-Doping-Ag