TDM § 44b UrhG – KI-Training und Opt-out
Kernsachverhalt & Mandantenfragen
Das Training großer KI-Modelle (LLMs, Bildgeneratoren, Musikgeneratoren) erfordert riesige Datenmengen. Diese werden aus dem öffentlichen Internet geerntet – oft ohne Einwilligung der Rechteinhaber. § 44b UrhG erlaubt Text- und Data-Mining grundsätzlich als Schranke, aber nur wenn der Rechteinhaber kein maschinenlesbares Opt-out gesetzt hat. Diese neue Rechtslage schafft erheblichen Beratungsbedarf für Verlage, Fotografen, Musiker, Datenbankbetreiber und Plattformbetreiber.
8 Kaltstart-Rückfragen:
- Was ist die Art des Werks (Text, Bild, Musik, Datenbank) und wo ist es online verfügbar?
- Wurde ein maschinenlesbares Opt-out gesetzt (Robots.txt, Meta-Tag, TDM-Reservation-Notice)?
- Falls kein Opt-out vorhanden: Was war der Zeitpunkt der Erstellung des Werks und wann wurde es online gestellt?
- Gibt es Anhaltspunkte, dass ein spezifisches KI-Modell mit dem Werk trainiert wurde (Output-Test, Datensatz-Listen)?
- Wer ist der KI-Anbieter und hat er einen EU-Sitz oder Auftragsverarbeiter in der EU?
- Hat der KI-Anbieter im Rahmen der KI-Verordnung (VO (EU) 2024/1689) Transparenzpflichten zu erfüllen?
- Besteht Interesse an einer nachträglichen Lizenzverhandlung oder primär an Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen?
- Ist der Mandant Einzelurheber oder Mitglied einer Verwertungsgesellschaft (VG Wort, GEMA, VG Bild-Kunst)?
- Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)
Rechtsgrundlagen
| Norm | Inhalt | |---|---| | § 44b UrhG | Text- und Data-Mining-Ausnahme: erlaubt Vervielfältigung für TDM wenn kein Opt-out; in Kraft seit 07.06.2021 | | § 44b Abs. 3 UrhG | Opt-out-Möglichkeit des Rechteinhabers: maschinenlesbar; Wirkung nur für zukünftige TDM-Vorgänge | | § 60d UrhG | TDM für wissenschaftliche Forschung: weitreichendere Erlaubnis; kommerzieller KI-Anbieter greift hier nicht | | § 87a ff. UrhG | Datenbankschutz: Datenbankwerk und einfache Datenbank; TDM-Ausnahme gilt auch für § 87b UrhG (§ 87c Abs. 1 Nr. 3 UrhG) | | § 97 UrhG | Unterlassungsanspruch bei Verletzung | | § 97a UrhG | Abmahnung und Abmahnkosten | | § 101 UrhG | Auskunftsanspruch gegen KI-Anbieter über Umfang der Werknutzung | | Art. 4 DSM-RL (EU) 2019/790 | Vorlage für § 44b UrhG; maschinenlesbares Opt-out als Option für Rechteinhaber | | Art. 53 KI-VO (VO (EU) 2024/1689) | Transparenzpflichten für Anbieter allgemeiner KI-Modelle (General-Purpose AI); Veröffentlichung von Zusammenfassung der Trainingsdaten | | DSGVO Art. 5, 6 | Wenn TDM personenbezogene Daten enthält: Rechtsgrundlage für Verarbeitung notwendig |
Leitentscheidungen
| Aktenzeichen | Gericht / Datum | Leitsatz | |---|---|---| | Rechtsprechung live prüfen | Live-Verifikation erforderlich | keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren | | Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. | US District Court NY (Reuters vs. Ross) | US District Court, 11.02.2025 | Fair Use abgelehnt: Training eines KI-Recherchetools mit Rechtsartikeln ist keine transformative Nutzung; kommerzieller Zweck schadet | | Rechtsprechung live prüfen | Live-Verifikation erforderlich | keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren |
Prüfschema TDM / Opt-out
| Schritt | Inhalt | Grundlage | |---|---|---| | 1 | Werkschutz prüfen: Urheberrechtlich geschütztes Werk (§ 2 UrhG) oder Datenbankschutz (§ 87a UrhG)? | § 2, § 87a UrhG | | 2 | TDM-Handlung identifizieren: Welche KI-Anbieter haben das Werk erfasst? Common Crawl, LAION, Books3, Pile-Datensätze? | § 44b Abs. 1 UrhG | | 3 | Opt-out-Status zum Trainings-Zeitpunkt: War ein maschinenlesbares Opt-out vorhanden (Robots.txt, Meta-Tag, TDM-Notice)? | § 44b Abs. 3 UrhG | | 4 | Wissenschaftliche vs. kommerzielle Nutzung: § 60d UrhG (Forschung) oder § 44b UrhG (allgemein)? Kommerzieller Anbieter = § 44b einschlägig | § 60d, § 44b UrhG | | 5 | Nachweis der Nutzung: Output-Test des KI-Modells; Datensatz-Audits (LAION-Explorer, HuggingFace-Datensets); Wasserzeichenanalyse | § 101 UrhG | | 6 | KI-VO Transparenzpflicht Art. 53: Hat Anbieter Trainingsdaten-Zusammenfassung veröffentlicht? Anhaltspunkte für Werk im Datenset? | Art. 53 KI-VO | | 7 | Auskunftsanspruch § 101 UrhG: Anspruch gegen KI-Anbieter auf Auskunft über Verwendung des Werks | § 101 UrhG | | 8 | Abmahnung formulieren § 97a UrhG: Verletzungshandlung benennen; Opt-out und dessen Umgehung konkret | § 97a UrhG | | 9 | Opt-out sofort nachrüsten: Robots.txt alle relevanten Bots; Meta-Tags auf allen Seiten; TDM-Notice | § 44b Abs. 3 UrhG | | 10 | Lizenzverhandlung: Rückwirkende Lizenz; Media-Manager-Programme der KI-Anbieter nutzen | § 44b UrhG | | 11 | Kollektivwahrnehmung: VG Wort, GEMA, VG Bild-Kunst – Pflichtmitgliedschaft prüfen; kollektive Lizenzierung | § 51c UrhG | | 12 | Schadensersatz berechnen: Lizenzanalogie; fehlender Opt-out → kein Anspruch; Opt-out vorhanden → voller Schadensersatz | § 97 Abs. 2 UrhG |
Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation | Empfohlener Weg | |---|---| | Standard — TDM § 44b UrhG KI-Training Opt-Out | Opt-Out-Erklaerung; Template unten | | Variante A — Mandant will KI-Training erlauben | Lizenzvertrag statt Opt-Out; gesonderte Verguetung | | Variante B — Bereits laufendes KI-Training | Opt-Out fuer Zukunft; Schadensersatz fuer Vergangenheit pruefen | | Variante C — EU-DSA / Digital-Markets-Act beruehrt | Plattform-spezifische Opt-Out-Mechanismen zusaetzlich |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
Schriftsatzbausteine
Baustein 1 – TDM Reservation Notice (maschinenlesbar)
<!-- Einbinden in <head> jeder HTML-Seite -->
<meta name="robots" content="noai, noimageai">
<!-- Für alle bekannten KI-Crawler: Robots.txt -->
User-agent: GPTBot
Disallow: /
User-agent: ChatGPT-User
Disallow: /
User-agent: Google-Extended
Disallow: /
User-agent: CCBot
Disallow: /
User-agent: anthropic-ai
Disallow: /
User-agent: Claude-Web
Disallow: /
User-agent: cohere-ai
Disallow: /
User-agent: Omgilibot
Disallow: /
User-agent: FacebookBot
Disallow: /
# Generelle TDM-Reservation gemäß § 44b Abs. 3 UrhG /
# Art. 4 Abs. 3 DSM-RL / Art. 53 KI-VO
# Text and Data Mining for AI Training: PROHIBITED
# TDM Reservation Notice: no AI training on this content
# Stand: [Datum]
<!-- EXIF/Metadaten für Bilder -->
Copyright: [Name] [Jahr]
Rights: TDM Reservation § 44b Abs. 3 UrhG.
AI Training PROHIBITED.
Contact: [E-Mail] for licensing.
Baustein 2 – Abmahnung KI-Anbieter (§ 97a UrhG)
An [KI-Anbieter, Rechtsabteilung]
[Anschrift; ggf. EU-Repräsentant]
Per Einschreiben mit Rückschein
Abmahnung gemäß § 97a UrhG
wegen Verletzung des Text- und Data-Mining-Vorbehalts
§ 44b Abs. 3 UrhG
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir zeigen die anwaltliche Vertretung von [Rechteinhaber] an.
I. SACHVERHALT
Unsere Mandantschaft ist Inhaberin der urheberrechtlichen
Nutzungsrechte an folgenden Werken:
[Liste der Werke / URL / Beschreibung]
Auf unserer Website [URL] war zum Zeitpunkt der
Datenerhebung durch Ihren Crawler [Bot-Name] am [Datum
gem. Wayback Machine / Server-Log] ein m