Formulierungshilfe und parlamentarische Vorlage bauen
Für Ministerialzulieferung, Koalitionsänderung, Oppositionsantrag und Landtagsvorlage. Formal sauber, politisch brauchbar, rechtsförmlich prüfbar.
Was dieser Skill abdeckt
| Modus | Wer steuert typischerweise? | Ergebnis | Besonderheit | |---|---|---|---| | Ministerielle Formulierungshilfe | Bundes- oder Landesministerium liefert fachlich zu | Änderungsantrag, Ausschussfassung, Kurzbegründung, Hintergrundvermerk | Fachlicher Verfasser und formaler parlamentarischer Initiator sind getrennt zu dokumentieren. | | Gesetzentwurf aus der Mitte des Bundestages | Fraktion oder Abgeordnete in der erforderlichen Stärke | Vollständiger Gesetzentwurf mit Begründung und Synopse-Hinweis | Art. 76 GG und GO-BT beachten; keine Regierungsvorlage vortäuschen. | | Gesetzentwurf aus der Mitte eines Landtags | Landtagsfraktion, Gruppe oder Abgeordnete nach Landesrecht | Landesgesetzentwurf mit landesspezifischem Format | Bundesland, Landesverfassung und Landtags-GO sind Pflichtfelder. | | Änderungsantrag | Koalition, Opposition, Ausschuss oder Fraktion im laufenden Verfahren | Präziser Änderungsbefehl mit kurzer Begründung | Bezug zur Drucksache, Lesung und Ausschussberatung muss stimmen. | | Antrag / Entschließungsantrag | Fraktion, Gruppe oder Abgeordnete | Beschlussvorschlag ohne zwingenden Normtext | Politische Forderung, Prüfauftrag oder Aufforderung an Regierung klar formulieren. |
Intake
Vor dem Entwurf diese Punkte klären. Wenn der Nutzer schon genug geliefert hat, sichtbar zusammenfassen und weiterarbeiten.
| Punkt | Frage | |---|---| | Parlament | Bundestag oder welcher Landtag? | | Bundesland | Nur bei Landtag/Landesregierung: welches Bundesland und welche Landes-GO? | | Formaler Initiator | Bundesregierung/Bundesrat? Fraktion? Gruppe? Abgeordnete in erforderlicher Stärke? Ausschuss? | | Fachlicher Verfasser | Ministerium, Fraktion, wissenschaftlicher Dienst, Verband, Anwalt, Arbeitsgruppe? | | Politische Rolle | Koalition, Opposition, Regierung, Ausschussmehrheit, Minderheitenposition? | | Verfahrensstand | Drucksache, 1./2./3. Lesung, Ausschuss, Anhörung, Vermittlung, Landtagsstadium? | | Zieltyp | Normtext ändern, neuer Gesetzentwurf, Entschließungsantrag, Antrag, Prüfbitte, Haushalts-/Vollzugsauftrag? | | Frist | Drucksachenschluss, Ausschussfrist, Plenartermin, Kabinetts- oder Fraktionssitzung? | | Risiko | Kompetenz, Verfassungsrecht, EU-Recht, Haushalt, Vollzug, NKR/Erfüllungsaufwand, politische Angreifbarkeit? |
Grundregeln
- Formalen Absender nicht verwischen. Ein Ministerium kann fachlich zuliefern, aber eine Vorlage "aus der Mitte des Bundestages" wird parlamentarisch eingebracht.
- Oppositionsvorhaben eigenständig behandeln. Keine Kabinetts-, Ressort- oder NKR-Prüfung als formale Einreichungsvoraussetzung behaupten; trotzdem Kompetenz, Grundrechte, EU-Recht, Haushalt und Vollzug prüfen.
- Landesvorhaben nicht im Bundesformat schreiben. Bundesland, Landesverfassung, Landtags-GO, Zitierstil, Verkündungsblatt und Haushaltsregeln abfragen.
- Änderungsbefehle präzise halten. Jede Änderung braucht Normstelle, Befehl, neuen Wortlaut und Begründung.
- Bei Eile Minimalprüfung festhalten. Wenn keine Zeit für Vollprüfung bleibt, Ergebnis als "vorläufig, zu verifizieren" kennzeichnen und die offenen Punkte auflisten.
Wann welcher Modus passt
- Formulierungshilfe: Es gibt ein laufendes Verfahren und der Text soll als Änderungsantrag oder Ausschussformulierung in dieses Verfahren hinein.
- Gesetzentwurf aus der Mitte: Es soll ein vollständiges Gesetz als parlamentarische Initiative eingebracht werden, auch durch eine Oppositionsfraktion.
- Änderungsantrag: Ein bestehender Entwurf soll punktuell oder systematisch geändert werden.
- Entschließungsantrag: Das Parlament soll eine politische Erwartung, Prüfbitte oder Aufforderung beschließen.
- Antrag: Das Parlament soll einen eigenständigen Beschluss fassen, ohne unmittelbar Gesetzestext zu ändern.
Output-Muster
A. Änderungsantrag
Der Ausschuss für ... wolle beschließen:
Zu dem Gesetzentwurf auf Drucksache ... wird Artikel ... wie folgt geändert:
1. ...
2. ...
Begründung
Die Änderung ...
B. Gesetzentwurf aus der Mitte des Bundestages oder Landtages
Entwurf eines Gesetzes ...
A. Problem und Ziel
...
B. Lösung
...
Der Bundestag / Landtag hat das folgende Gesetz beschlossen:
...
Begründung
A. Allgemeiner Teil
B. Besonderer Teil
Bei Bundesgesetzen zusätzlich prüfen, ob eine Synopse beizufügen ist und ob Art. 76 GG/GO-BT-Anforderungen erfüllt sind. Bei Landesgesetzen die landesspezifische Drucksachen- und Begründungsstruktur verwenden.
C. Antrag oder Entschließungsantrag
Der Bundestag / Landtag wolle beschließen:
I. Der Bundestag / Landtag stellt fest:
...
II. Der Bundestag / Landtag fordert die Bundesregierung / Landesregierung auf:
1. ...
2. ...
Begründung
...
D. Interner Kurzvermerk
Immer mitliefern, wenn das praktisch hilft:
- Verfahrensstand und Drucksache
- formaler Initiator und fachlicher Verfasser
- Kompetenzgrundlage
- Verfassungs- und EU-Kurzcheck
- Haushalts- und Vollzugseffekte
- Synopse-/Lesefassungsbedarf
- offene Prüf- und Abstimmungspunkte
Pflichtquercheck
Auch bei schnellen parlamentarischen Texten intern prüfen und sichtbar dokumentieren:
gesetzgebungskompetenz-pruefen- Bund/Land und Kompetenzgrundlageverfassungsmaessigkeit-quercheck- Grundrechte, Bestimmtheit, Verhältnismäßigkeit, Wesentlichkeiteuroparechtskonformitaet- EU-Recht, Notifizierung 2015/1535, Beihilfe, Richtlinienumsetzungfolgenabschaetzung-erfuellungsaufwand- auch wenn NKR formal nicht der Einreichungspfad ist, Erfüllungsaufwand als politisches Risiko erfassensynopse-erstellen- bei Änderungen an geltendem Rechtdokumente-rendern-docx-pdf- am Ende für BT-/Landtagsdrucksachen- oder Ministeriumsformat
Arbeitsgrundlagen
- Art. 76 Abs. 1 GG: Bundesregierung, Mitte des Bundestages und Bundesrat als Initiativberechtigte im Bund.
- GO-BT, insbesondere Vorschriften zu Vorlagen von Mitgliedern des Bundestages, Anträgen und Synopsen bei Änderung geltender Gesetze.
- GGO, insbesondere Regelungen zur Zusammenarbeit mit Bundestag/Bundesrat und zu Formulierungshilfen.
- Landesverfassungen und Geschäftsordnungen der Landtage für landesspezifische Initiativen.
- Handbuch der Rechtsförmlichkeit des BMJ als Formulierungs- und Strukturmaßstab, soweit passend oder als Bundesstandard übernommen.
Zentrale Normen (Paragrafenkette)
Art. 76 Abs. 1 GG — GO-BT Vorlagen/Anträge — Art. 70-74 GG — Art. 20 Abs. 3 GG — Art. 103 Abs. 2 GG bei Straf- oder Bußgeldnormen — Landesverfassung und Landtags-GO bei Landesvorhaben — GGO bei ministerieller Zulieferung
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Ausgabe
Parlamentarische_Vorlage_[Kurztitel].mdmit Normtext oder Antrag, Begründung und internem Kurzvermerk- optional
Synopse_[Kurztitel].md - optional Render-Paket für
dokumente-rendern-docx-pdf
Anschluss
gesetzgebungskompetenz-pruefen, verfassungsmaessigkeit-quercheck, europarechtskonformitaet, synopse-erstellen, dokumente-rendern-docx-pdf.