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Freiheitsstrafe ohne Bewaehrung. Anrechnung Untersuchungshaft und Auslieferungshaft § 51 StGB. Vollstreckungsplanung Reststrafenaussetzung § 57 StGB Halbstrafe Drittel. Lebenslang § 57a StGB. Strafaufschub § 456 StPO. Strafunterbrechung § 455 StPO. § 35 BtMG Therapie statt Strafe. Beleidigte Vollstreckungsplanung; Verteidigung im Vollstreckungsstadium.

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Freiheitsstrafe ohne Bewaehrung — Vollstreckung

Worum geht es?

Wird die Freiheitsstrafe nicht zur Bewaehrung ausgesetzt, beginnt das Vollstreckungsverfahren. Wichtige Stellschrauben sind die Anrechnung der U-Haft (§ 51 StGB), die Reststrafenaussetzung (§§ 57, 57a StGB), Strafaufschub (§ 456 StPO), Strafunterbrechung (§ 455 StPO) und § 35 BtMG.

Wann brauchen Sie diese Skill?

  • Der Mandant ist zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewaehrung verurteilt; Sie planen das weitere Verteidigungsvorgehen.
  • U-Haft wurde verbuesst und muss korrekt angerechnet werden.
  • Reststrafenaussetzung nach 2/3, 1/2 oder bei Lebenslang nach 15 Jahren steht an.
  • Strafaufschubs- oder Strafunterbrechungsantrag wegen besonderer Lage (Schwangerschaft, schwere Krankheit, betreuungspflichtige Kinder).
  • § 35 BtMG Therapie statt Strafvollzug.

Rechtliche Grundlagen

  • § 51 StGB — Anrechnung von Untersuchungshaft, einstweiliger Unterbringung, Auslieferungshaft und vergleichbarer Freiheitsentziehung. Pflicht zur vollstaendigen Anrechnung, sofern keine ausdrueckliche Versagung wegen vorwerfbaren Verhaltens.
  • § 57 StGB — Aussetzung des Strafrests bei zeitiger Freiheitsstrafe; Regelfall nach 2/3, in besonderen Faellen nach 1/2.
  • § 57a StGB — Aussetzung des Strafrests bei lebenslanger Freiheitsstrafe; frueheste Pruefung nach 15 Jahren; besondere Schwere der Schuld kann verlaengern (§ 57a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB).
  • § 57b StGB — Aussetzung bei Gesamtstrafe aus lebenslanger und zeitiger Freiheitsstrafe.
  • § 35 BtMG — Zurueckstellung der Strafvollstreckung bei Betaeubungsmittelabhaengigkeit zugunsten Therapie.
  • § 36 BtMG — Anrechnung der Therapiezeit.
  • § 455 StPO — Aufschub der Vollstreckung; Strafunterbrechung wegen Gesundheit.
  • § 456 StPO — Aufschub aus persoenlichen Gruenden.
  • § 456a StPO — Absehen von Vollstreckung bei Auslaendern (Auslieferung/Ausweisung).
  • § 462a StPO — Strafvollstreckungskammer ist zustaendig fuer Reststrafenaussetzung bei zeitiger Strafe ab 9 Monaten.

Anrechnung U-Haft (§ 51 StGB)

  • Vollstaendig anzurechnen: jeder Tag U-Haft, einstweilige Unterbringung, Auslieferungshaft.
  • Ausnahme: vorwerfbares Verhalten des Verurteilten (selbstverschuldete Verlaengerung); Anrechnung ganz oder teilweise versagt — Urteilsformel pruefen.
  • Anrechnungssatz: 1 Tag U-Haft = 1 Tag Freiheitsstrafe (Standard).
  • Massregel-Anrechnung: Bei Sicherungsverwahrung oder § 64 StGB im Vorgriff kann § 67 Abs. 4 StGB greifen.

Reststrafenaussetzung (§ 57 StGB)

2/3 (§ 57 Abs. 1 StGB)

  • Pruefung von Amts wegen nach Verbuessung von 2/3.
  • Erforderlich: positive Sozialprognose und Zustimmung des Verurteilten.
  • Bewaehrungszeit 2 bis 5 Jahre.
  • Anhoerung durch Strafvollstreckungskammer (§ 454 StPO).

1/2 (§ 57 Abs. 2 StGB)

  • Pruefung nur bei besonderen Umstaenden.
  • Voraussetzungen:
  • Erstvollverbuesser ohne einschlaegige Vorbelastung, oder
  • besondere Umstaende der Tat, der Persoenlichkeit oder der Entwicklung im Vollzug.
  • Frueheste Pruefung nach Verbuessung von 1/2 der Strafe, jedoch mindestens 6 Monate.

Lebenslang (§ 57a StGB)

  • Frueheste Pruefung nach 15 Jahren.
  • Besondere Schwere der Schuld (§ 57a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB) kann zusaetzliche Mindestverbuessungsdauer begruenden — wird durch das Tatgericht im Urteilstenor festgestellt.
  • Bei Gesamtstrafe mit lebenslang siehe § 57b StGB.

§ 35 BtMG — Therapie statt Strafvollzug

  • Voraussetzung: Tat begangen wegen Betaeubungsmittelabhaengigkeit; Strafe wegen Verstoss gegen BtMG oder andere Straftat in BtM-Zusammenhang; Strafe nicht mehr als 2 Jahre (vollstreckbarer Rest).
  • Antrag der Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des Verurteilten.
  • Therapieaufenthalt wird auf die Strafe angerechnet (§ 36 BtMG).

Strafaufschub / Strafunterbrechung (§§ 455, 456 StPO)

  • § 455 Abs. 1 StPO — Strafaufschub bei Geisteskrankheit.
  • § 455 Abs. 2-4 StPO — bei schwerer Krankheit, lebensgefahr; Vollstreckungsbehoerde entscheidet.
  • § 455a StPO — Strafunterbrechung in besonderen Faellen.
  • § 456 StPO — Aufschub aus persoenlichen Gruenden (z.B. Pruefung, Schwangerschaft, betreuungspflichtige Kinder) auf laengstens 4 Monate.

Schritt-fuer-Schritt-Anleitung (Verteidigung)

  1. Urteilsformel pruefen: U-Haft-Anrechnung korrekt? Wenn nein, Beschluss der Vollstreckungsbehoerde nach § 458 StPO anregen.
  2. § 35 BtMG pruefen, wenn Tat im BtM-Zusammenhang.
  3. Strafaufschub / -unterbrechung pruefen, wenn persoenliche Lage es erfordert.
  4. Reststrafenaussetzung rechtzeitig vorbereiten:
  5. Sozialprognose mit Schulungs-/Therapie-/Arbeitsangebot fuer die Bewaehrungszeit.
  6. Anhoerungsschriftsatz bei der Strafvollstreckungskammer.
  7. Vollstreckungsplan mit dem Mandanten besprechen: realistische Erwartung, JVA-Standort, Familienkontakt, Bildungs- und Therapieangebote im Vollzug.

Typische Fehler

  • U-Haft-Anrechnung uebersehen oder unvollstaendig (Tag fehlt).
  • § 35 BtMG zu spaet beantragt: nach Vollzugsbeginn wird oft abgelehnt.
  • Reststrafenaussetzung ohne ausreichende Vorbereitung: Sozialdaten fehlen.
  • Anhoerung nicht persoenlich wahrgenommen: Strafvollstreckungskammer trifft auf einen "unsichtbaren" Verurteilten.
  • Sofortige Beschwerde gegen ablehnenden Reststrafenaussetzungs-Beschluss versaeumt (Frist 1 Woche, § 311 StPO).

Querverweise

  • freiheitsstrafe-strafmass-pruefen — Strafmass.
  • bewaehrung-56-stgb-positive-sozialprognose — Aussetzung in erster Instanz.
  • bewaehrungswiderruf-56f-stgb — wenn Bewaehrung widerrufen.
  • gesamtstrafenbildung-53-54-stgb-erste-instanz — Vollstreckung von Gesamtstrafen.

Quellen und Stand 05/2026

  • §§ 38, 51, 57, 57a, 57b StGB in der geltenden Fassung.
  • §§ 35, 36 BtMG.
  • §§ 454, 455, 455a, 456, 456a, 458, 462a StPO.
  • Quellenregel: vgl. references/zitierweise.md.
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