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Unternehmen in M&A-Situation oder Krise und Anwalt prüft ob Insolvenzantragspflicht besteht: Zahlungsunfähigkeit drohende Zahlungsunfähigkeit Überschuldung StaRUG-Schwelle. Normen §§ 17-19 InsO § 15a InsO §§ 1-4 StaRUG. Prüfraster Zahlungsunfähigkeitstest Überschuldungsprüfung Fortbestehensprognose Antragspflicht-Timing. Output Insolvenzreife-Ampel Antragspflicht-Gutachten Handlungsempfehlung. Abg

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Freistehender Insolvenzreife- und StaRUG-Schwellencheck (Mittelstand)

Kernsachverhalt

Im Mittelstand ist die Insolvenzreife-Prüfung besonders heikel, weil der Gesellschafter-Geschäftsführer häufig selbst der einzige Entscheidungsträger ist und keine unabhängige Kontrolle stattfindet. Die Antragspflicht (§ 15a InsO) trifft ihn persönlich und ist strafrechtlich bewehrt (§ 15a Abs. 4 InsO). Gleichzeitig liegen die Warnsignale — BWA mit Verlusten, überzogener Kontokorrentkredit, Steuerrückstände, Lieferantensperren — oft offen auf dem Tisch, werden aber als vorübergehend bagatellisiert. In M&A-Prozessen gefährdet die Insolvenzreife des Zielunternehmens nicht nur das Closing, sondern führt auch dazu, dass der Käufer Schadensersatz verlangen kann oder vom Vertrag zurücktreten darf. Für den Berater ist die Dokumentation des Zeitpunkts der Kenntniserlangung von entscheidender Bedeutung.

Kaltstart-Rückfragen

  1. Welches ist der konkrete Anlass — DD-Krisencheck, GF-Beratung, StaRUG-Frühwarnung, laufender M&A-Prozess mit Liquiditätszweifel?
  2. Liegen vor: Bankkontoauszüge (aktuell), OPOS Kreditoren, BWA mit SuSa, letzter Jahresabschluss, Steuerrückstandsauskunft?
  3. Besteht ein überzogener Kontokorrentkredit? Hat die Hausbank Bedenken geäußert oder Kreditkündigungen angedroht?
  4. Sind Steuerrückstände (Finanzamt, Krankenkassen) vorhanden? Gibt es Vollstreckungsankündigungen oder -beschlüsse?
  5. Existieren Lieferantensperren oder Vorkasseforderungen als Krisenindikator?
  6. Hat der Steuerberater auf Fortführungszweifel hingewiesen (§ 321a HGB analog, Going-Concern)?
  7. Welche M&A-Auswirkungen sind zu prüfen — MAC-Trigger, Closing Condition, Kaufpreisminderung?
  8. Kennt der GF seine persönliche Haftungsexposition aus § 15b InsO?
  9. Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Rechtsgrundlagen

Normtexte

| Norm | Regelungsinhalt (Auszug) | |---|---| | § 17 InsO | Zahlungsunfähigkeit: > 10 % Deckungslücke über 3 Wochen; maßgeblich für Antragspflicht | | § 18 InsO | Drohende Zahlungsunfähigkeit: Prognosezeitraum 24 Monate; StaRUG-Öffner | | § 19 InsO | Überschuldung: Passiva > Aktiva (Überschuldungsstatus); positiver Prognose als Korrektiv | | § 15a InsO | Antragspflicht: GmbH-GF, Vorstand, Liquidator; 3 Wochen (ZU), 6 Wochen (ÜS) | | § 15a Abs. 4 InsO | Strafbarkeit der Insolvenzverschleppung: bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe | | § 15b InsO | Zahlungsverbote nach Insolvenzreife; GF haftet persönlich für masseschmälernde Zahlungen | | § 43 GmbHG | Sorgfaltspflicht des GF: Pflicht zur Liquiditätsüberwachung und frühzeitigen Krisenreaktion | | § 64 S. 1 GmbHG a.F. | (heute § 15b InsO): GF-Haftung für Zahlungen nach Insolvenzreife; durch Gesetzesreform 2021 in § 15b InsO überführt | | §§ 1–93 StaRUG | Vorinsolvenzlicher Restrukturierungsrahmen: Zugang nur bei § 18 InsO, nicht bei § 17 oder § 19 InsO ohne Prognose |

Leitentscheidungen

| Gericht | Az. | Datum | Leitsatz (kurz) | |---|---|---|---| | Rechtsprechung live prüfen | Live-Verifikation erforderlich | - | keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren |

Prüfschema (Mittelstand)

Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

| Schritt | Prüfungspunkt | Inhalt | Ergebnis | |---|---|---|---| | 1 | Datenqualität sicherstellen | Bankkontoauszüge, OPOS, BWA, JA, Steuerrückstandsauskunft; Lücken als TODO | Datenlücken-Liste | | 2 | Krisenindikator-Screening | Überzogener Kontokorrentkredit, Rücklastschriften, Lieferantensperren, Steuerrückstände, GF-Ratlosigkeit | Indikatoren dokumentiert | | 3 | Liquiditätsstatus erstellen | Aktuelle Banksalden; OPOS fällig < 3 Wochen; Deckungslücke berechnen | Deckungslücke EUR [X] | | 4 | § 17 InsO-Prüfung | Deckungslücke > 10 %? Dauer > 3 Wochen? Ausreichende Einzahlungen plausibel? | § 17 InsO: [Ja / Nein / unklar] | | 5 | Kontokorrentkredit-Status | KK ausgeschöpft? Bank hat Limit reduziert? Kreditkündigung droht? | KK-Status | | 6 | Steuer- und SV-Rückstände | Finanzamt, Krankenkassen, Berufsgenossenschaft; Vollstreckungsbescheide prüfen | Steuer/SV-Schulden | | 7 | Überschuldungsstatus (§ 19 InsO) | Bilanz-Passiva > Aktiva? Stille Lasten aufdecken: Pensionen, Prozessrisiken, Bürgschaften | Überschuldung: [Ja / Nein] | | 8 | Fortbestehensprognose | 12 Monate: konkrete Finanzierungszusage, Auftragsbestand, Saisonalität; nicht nur Hoffnung | Prognose: [positiv / negativ] | | 9 | § 18 InsO / StaRUG-Eignung | Drohende Zahlungsunfähigkeit 24 Monate; COMI in Deutschland; keine laufende Insolvenz | StaRUG: [geeignet / nicht geeignet] | | 10 | Antragspflicht-Frist | § 15a InsO: Fristbeginn dokumentieren; GF über Strafrechtrisiko informieren | Frist: [Datum] | | 11 | § 15b InsO-Exposition | Welche Zahlungen seit Insolvenzreife? GF über Rückforderungsrisiko aufklären | Zahlungs-Protokoll | | 12 | StaRUG-Frühwarnsystem | Restrukturierungsbeauftragter empfehlen? StaRUG-Anzeige? Gläubigergespräch? | StaRUG-Fahrplan | | 13 | Deal-Impact (M&A) | MAC-Klausel, Closing Condition, W&I-Ausschluss, Kaufpreisminderung durch Net Debt-Erhöhung | Deal Impact Memo | | 14 | Steuerberater und GF informieren | Schriftlicher Hinweis auf Insolvenzreife und persönliche Haftung; Dokumentation | Hinweis-Schreiben | | 15 | Senior-Review und Eskalation | Insolvenzrechtsspezialist einbinden; Human-in-the-loop; Mandats-Dokumentation | Eskalation dokumentiert |

Mittelstand-Krisenindikator-Checkliste

| Indikator | Schwellenwert / Kriterium | Handlungsbedarf | |---|---|---| | Kontokorrentkredit | Über 80 % ausgenutzt; Limit-Reduktion durch Bank | Bankgespräch; StaRUG prüfen | | Rücklastschriften | Mehr als 2 in einem Monat | Sofortige Liquiditätsvorschau | | Steuerrückstände | Umsatzsteuer > 2 Monate offen | Ratenzahlungsantrag; Insolvenzreife prüfen | | Lieferantensperren | Vorkasseforderungen > 3 Lieferanten | Verhandlungen; Liquiditätsstatus erstellen | | Lohnzahlung verzögert | Löhne > 5 Tage nach Fälligkeit | § 17 InsO-Prüfung sofort | | BWA-Verlust | Kumulierter Verlust > 50 % des Eigenkapitals | § 19 InsO-Prüfung | | Jahresabschluss-Testat | Prüfer verweigert Testat oder erteilt eingeschränktes Testat | Sofortige Beratung |

Beweislast

| Beweisthema | Beweislastträger | Beweismittel | |---|---|---| | Zahlungsunfähigkeit bei Antragspflicht | Insolvenzverwalter | Bankkontoauszüge, OPOS, Rücklastschriften | | Fortbestehensprognose | GF | Finanzierungszusage (schriftlich), Auftragsbestand | | Zeitpunkt der Kenntniserlangung | GF / Insolvenzverwalter | BWA, E-Mails, Beraterkorrespondenz, Protokolle | | Masseschmälernde Zahlungen § 15b | Insolvenzverwalter | Kontoauszüge, Buchungsbelege, Stichtagsdokumentation |

Fristen und Verjährung

| Fristtyp | Dauer | Norm | Hinweis | |---|---|---|---| | Antragspflicht — ZU | 3 Wochen | § 15a Abs. 1 InsO | Strafrechtliche Sanktion § 15a Abs. 4 InsO | | Antragspflicht — Überschuldung | 6 Wochen | § 15a Abs. 1 InsO | Keine Verlängerung | | § 15b-Haftung — Verjährung | 3 Jahre ab Kenntnis | §§ 195, 199 BGB | Direkthaftung GF | | StaRUG-Rahmen | Max. 24 Monate | §§ 31, 33 StaRUG | Bei § 17 InsO kein StaRUG-Zugang |

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

| Konstellation | Empfohlener Weg | |---|---| | Standard — Insolvenzreife fuer Mittelstand pruefen | Insolvenzreife-Pruefung nach Schema; Sch

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