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normhierarchie-routing

Richtige Startbahn und Normebene für ein legistisches Vorhaben bestimmen: Bundesgesetz, Landesgesetz, Rechtsverordnung, Satzung, Verwaltungsvorschrift, parlamentarischer Antrag oder Entschliessungsantrag. Anwendungsfall politische Vorgabe liegt vor und unklar ist, ob Bundesministerium, Bundestag, Landesministerium, Landtag oder sonstiger Normgeber handeln soll. Prüfkatalog Gesetzgebungskompetenz B

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Normhierarchie-Routing

Entscheidet: Wer kann handeln, auf welcher Ebene und in welchem Verfahren?

Eingabe

Auftragsblatt aus legistik-auftragsaufnahme.

Prüfraster

Vorfrage - Welcher institutionelle Pfad?

| Pfad | Wann naheliegend? | Nächster Skill | |---|---|---| | Bundesministerium / Bundesregierung | Bundeskompetenz, Regierungsprogramm, Kabinettspfad, Rechtsverordnung des Bundes | referentenentwurf-bauen, gesetzesentwurf-kabinett, verordnungsermaechtigung-art80 | | Bundestag / Fraktion / Abgeordnete | Parlamentarischer Gesetzentwurf, Änderungsantrag, Entschließungsantrag oder Antrag | formulierungshilfe-bauen | | Landesministerium / Landesregierung | Landeskompetenz, Landesvollzug, Landesverordnung, Landesgesetz | referentenentwurf-bauen, danach landesspezifische Kabinetts-/Landtagsprüfung | | Landtag / Landtagsfraktion | Landesparlamentarischer Antrag oder Gesetzentwurf aus der Mitte des Landtags | formulierungshilfe-bauen | | Kommune / Kammer / Hochschule / sonstige Körperschaft | Selbstverwaltungs- oder Fachsatzung, Beschlussvorlage, Bekanntmachung | satzungskompetenz-pruefen |

Wenn ein Vorhaben nur eine politische Position, Prüfbitte oder Aufforderung an Regierung/Verwaltung enthält, kann ein Antrag oder Entschließungsantrag richtiger sein als ein Gesetz.

A - Ist es überhaupt eine zu kodifizierende Materie?

Wenn die politische Vorgabe nur Verwaltungspraxis aendern soll, reicht ein Erlass / eine Verwaltungsvorschrift. Kein Norm-Schritt noetig.

B - Wenn Gesetz: Bund oder Land?

  1. Prüfung ausschließliche Gesetzgebung Bund (Art. 71 und 73 GG): auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung, Staatsangehoerigkeit, Wahrungseinheit, Bundeseisenbahnen, Luftverkehr, Postwesen, Telekommunikation, Bundeskriminalpolizei, Zoelle, Schutz deutsches Kulturgut.
  2. Prüfung konkurrierende Gesetzgebung (Art. 72 und 74 GG): Bürgerliches Recht, Strafrecht, Gerichtsverfassung, Aufenthaltsrecht, Sozialrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht, Straßenverkehr, öffentliche Fürsorge, Recht der Wirtschaft, etc. Prüfung Erforderlichkeitsklausel Art. 72 Abs. 2 GG bei den dort genannten Materien.
  3. Wenn weder Art. 71 noch Art. 73 noch Art. 74: Landeszustaendigkeit Art. 70 Abs. 1 GG (Auffangkompetenz).

Bei Landeszuständigkeit:

  • Bundesland ausdrücklich benennen.
  • Landesverfassung, Geschäftsordnung der Landesregierung und Geschäftsordnung des Landtags als Prüfquellen markieren.
  • Prüfen, ob eine landesrechtliche Verordnung oder Satzung genügt oder ein Landesgesetz erforderlich ist.

C - Wenn Gesetz oder Rechtsverordnung?

  • Wesentlichkeitstheorie BVerfG: Grundrechtsrelevante Regelungen müssen vom parlamentarischen Gesetzgeber selbst getroffen werden. Faustregel: Wer betrifft den Bürger in seinen Grundrechten erheblich, muss als Gesetz geregelt werden.
  • Strafgesetz und Bußgeldgesetz: nur Gesetz (Art. 103 Abs. 2 GG iVm Wesentlichkeitstheorie).
  • Detailregelungen technischer Art: Rechtsverordnung kommt in Betracht.

D - Wenn Rechtsverordnung Bund: Gibt es Ermaechtigungsgrundlage Art. 80 GG?

Prüfen mit Skill verordnungsermaechtigung-art80. Wenn keine ausreichende Ermaechtigung vorhanden: zunächst Gesetz aendern, um Ermaechtigung zu schaffen, dann VO erlassen.

E - Wenn Satzung: Gibt es Satzungskompetenz?

  • Kommunale Satzungen: Selbstverwaltungsgarantie Art. 28 Abs. 2 GG plus Gemeindeordnung des Landes plus ggf. spezielle Fachgesetze (z.B. BauGB für Bebauungspläne, KAG für Beitragssatzungen, BImSchG für Laermsatzungen).
  • Berufsstaendische Satzungen: Kammerngesetz (z.B. BRAO, BAeO, IHK-Gesetz) plus Vorbehalt des Gesetzes BVerfG E 33 / 125 (Facharzt).
  • Hochschulsatzungen: Hochschulgesetz Land plus Selbstverwaltung Art. 5 Abs. 3 GG.
  • Sozialversicherungsträger: Satzungsbefugnis nach SGB IV.
  • Rundfunkanstalten: Rundfunkstaatsvertrag plus Landesrundfunkgesetze.

F - Wenn Mehrebenen-Vorhaben

Manchmal braucht es: Bundesgesetz (Rahmen), Bundesverordnung (Details), Landesgesetz (Umsetzung), Verwaltungsvorschrift (Vollzug). Dann ist eine Tabelle der Ebenen zu erstellen.

G - Wenn parlamentarischer Antrag ohne Normtext

Ein Antrag, Entschließungsantrag oder Prüfauftrag ist naheliegend, wenn:

  • das Parlament die Regierung zu einem Bericht, Entwurf oder Verhalten auffordern soll,
  • ein politischer Alternativvorschlag ohne sofortigen Normtext gebraucht wird,
  • die Gesetzgebungskompetenz unsicher ist und zuerst ein Prüfauftrag sinnvoller ist,
  • eine Oppositionsfraktion ein Thema parlamentarisch sichtbar machen will.

Dann zu formulierungshilfe-bauen routen, aber als Antrag/Entschließungsantrag, nicht als Normtext.

Arbeitsgrundlagen

  • Art. 70-74 GG: Kompetenzverteilung Bund/Länder.
  • Art. 76-78 GG: Bundesgesetzgebungsverfahren und Einbringungswege.
  • Art. 80 GG: Anforderungen an Rechtsverordnungsermächtigungen.
  • Art. 28 Abs. 2 GG: Kommunale Selbstverwaltung als Ausgangspunkt für Satzungen.
  • Art. 31 GG: Bundesrecht bricht Landesrecht.
  • GO-BT und Landtags-Geschäftsordnungen: parlamentarische Vorlagen, Anträge und Änderungsanträge.
  • Landesverfassungen und Verkündungsrecht: landesspezifischer Pfad.
  • EU-Recht: Anwendungsvorrang und Umsetzungsbedarf im jeweiligen Fachskill prüfen.

Zentrale Normen (Paragrafenkette)

Art. 70-74 GG — Art. 76-78 GG — Art. 80 GG — Art. 28 Abs. 2 GG — Art. 31 GG — Art. 1 Abs. 3 GG — Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG — Art. 100 GG — Art. 288 AEUV — GO-BT — jeweilige Landesverfassung und Landtags-GO

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Ausgabe

  • Entscheidung institutionelle Startbahn
  • Entscheidung Norm-Ebene oder parlamentarischer Antragstyp
  • drei Sätze Begründung
  • offene landesspezifische oder geschäftsordnungsrechtliche Punkte
  • Verweis auf nächsten Skill gesetzgebungskompetenz-pruefen, verordnungsermaechtigung-art80, satzungskompetenz-pruefen, referentenentwurf-bauen oder formulierungshilfe-bauen

Stolperfallen

  • Goldplating durch Wahl der falschen Ebene (Bund regelt, was Land regeln duerfte): prüfen unter goldplating-vermeiden
  • Wesentlichkeitstheorie wird oft übersehen, wenn das Ministerium "schnell per VO" regeln will
  • Subsidiaritaetsprinzip EU bei Kompetenzfragen mitdenken
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