KI-Richtlinien-Monitor
Zweck
KI-Richtlinien laufen der Praxis schneller hinterher als fast jedes andere Richtliniendokument — Anwendungsfälle multiplizieren sich, jede freigegebene Folgenabschätzung begründet neue Verpflichtungen, die die Richtlinie noch nicht aufgegriffen hat.
Zwei Modi: (1) Sweep-Modus — wöchentlicher Abgleich des Ausgabeordners auf Policy-Drift; (2) Direktanfrage-Modus — direkte Antwort auf "Wir wollen X einführen — was bedeutet das für unsere KI-Richtlinie?"
Ausgabe ist immer: Hier ist die Lücke — ERFORDERLICH (Richtlinie wider- spricht Praxis) oder EMPFOHLEN (Richtlinie schweigt) — plus Formulierungsvorschlag.
Eingaben
Sweep-Modus: CLAUDE.md (Ausgabeordner-Pfad, Richtlinienstandort, letztes Sweep-Datum); alle Ausgabedateien seit letztem Sweep.
Direktanfrage-Modus: Beschreibung der geplanten KI-Praxis; aktuelle Richtlinien-Verpflichtungen und Anwendungsfall-Register aus CLAUDE.md.
Rechtlicher Rahmen
Kernvorschriften
- AI Act Art. 17 KI-VO: Anbieter von Hochrisiko-KI müssen ein Qualitäts-
managementsystem unterhalten inkl. laufender Überprüfung. Für Betreiber: Art. 29 Abs. 1–4 KI-VO (Überwachungs- und Meldepflichten).
- DSGVO Art. 5 Abs. 2 (Rechenschaftspflicht): Verantwortliche müssen
Einhaltung der Grundsätze nachweisen; Richtlinie und gelebte Praxis müssen übereinstimmen.
- DSGVO Art. 22 i.V.m. Art. 13/14: Betroffene müssen über automatisierte
Entscheidungen informiert werden; Richtlinie muss Offenlegungspflichten widerspiegeln.
- DSA Art. 27, 38 (VO (EU) 2022/2065): Transparenzpflichten für
algorithmische Empfehlungssysteme sehr großer Plattformen.
Leitentscheidungen
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
KI-Richtlinie ohne Adressierung von Scoring-Systemen schafft materielle Lücke, wenn entsprechende Systeme operativ eingesetzt werden.
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Vergessen I): Grundrechtliche Schutzpflichten gegenüber algorithmischen Systemen; Transparenzgebot beim KI-Einsatz.
Kommentare
- Wendehorst/Grinzinger, AI Act, 1. Aufl. 2024, Art. 17 Rn. 8 ff.
(Qualitätsmanagementsystem; laufende Richtlinienüberprüfung).
- Ehmann/Selmayr, DS-GVO, 3. Aufl. 2024, Art. 5 Rn. 62 ff.
(Rechenschaftspflicht; Dokumentation der Verarbeitungspolitik).
- Spindler/Schuster, Recht der elektronischen Medien, 4. Aufl. 2024,
Teil IV Rn. 95 ff. (Transparenzpflichten bei Algorithmen).
- Hoffmann-Riem (Hrsg.), Big Data, KI und das Recht, 2021, S. 89 ff.
Hinweis: Dieser Skill ersetzt keine anwaltliche Beratung im Einzelfall.
Ablauf
Modus-Erkennung: kein Argument oder --sweep → Sweep-Modus; Beschreibung einer Praxis → Direktanfrage-Modus.
Sweep-Modus
CLAUDE.mdladen:## KI-Richtlinien-Verpflichtungen, `## KI-Anwendungsfall-
Register, ## Ausgaben` (Ordner-Pfad, Richtlinienstandort, letztes Sweep-Datum).
- Ausgabedateien seit letztem Sweep scannen. Bei keinen neuen Dateien:
"Keine neuen Ausgaben seit [Datum]. Nächster Sweep: [Datum]."
- Aus jeder Ausgabe extrahieren: freigegebener Anwendungsfall, Einsatzmodus
(assistiv/automatisiert), Auflagen, betroffene Parteien, Anbieter-Datennutzung.
- Kennzeichnen: neue Anwendungsfälle ohne Richtlinienabdeckung; automatisierte
Entscheidungen wo Richtlinie menschliche Aufsicht impliziert; Anbieter- Datennutzung die Richtlinie referenzieren sollte.
- Lücken klassifizieren: ERFORDERLICH (Richtlinie widerspricht Praxis,
Nicht-Aktualisierung = materielle Falschdarstellung) oder EMPFOHLEN (Richtlinie schweigt, Praxis vertretbar aber klarer mit Aktualisierung).
- Ergebnisse vorlegen; erst nach Bestätigung durch den Nutzer:
Letztes Sweep-Datum und gefundene_Lücken in CLAUDE.md aktualisieren.
Direktanfrage-Modus
Aus der Beschreibung extrahieren: KI-System; Funktion (assistiv/automatisiert/ Inhaltsgenerierung); Betroffene; Anbieter; menschliche Überprüfung?; Offenlegung?; unerwartete Datenweitergabe? — bei vager Beschreibung eine Rückfrage.
Abgleich gegen Richtlinie und Register:
| Prüfpunkt | Aktuelle Richtlinie / Register | Geplante Praxis | Ergebnis | |---|---|---|---| | Anwendungsfall-Kategorie | [Register-Eintrag] | [neu] | ✅/⚠️/❌ | | Automatisierte Entscheidung | [DSGVO Art. 22 Position] | [automatisiert?] | | | Offenlegung ggü. Betroffenen | [Richtlinien-Zusage] | [erforderlich?] | | | Anbieter-Datennutzung | [Playbook-Position] | [Anbieter-Bedingungen] | |
Ausgabeformat
Sweep-Bericht:
# KI-Richtlinien-Monitor — Sweep-Bericht
Datum: [Datum] | Gescannte Ausgaben: [N] | Neu: [N]
Gefundene Lücken: [N] ERFORDERLICH | [N] EMPFOHLEN
## ERFORDERLICHE Änderungen
### [Lücke]
Quelle: [Datei] | Was geschieht: [Beschreibung]
Aktuelle Richtlinie: [Zitat oder "Keine Abdeckung"]
Lücke: [was fehlt]
Formulierungsvorschlag: "[Richtlinientext]" — ergänzen in [Abschnitt]
## EMPFOHLENE Änderungen [gleiche Struktur]
## Kein Handlungsbedarf [Liste]
## Anwendungsfall-Register-Abgleich [neue Einträge vorschlagen]
Direktanfrage-Ausgabe:
# KI-Richtlinienprüfung: [Praxis]
Ergebnis: [RICHTLINIENÄNDERUNG ERFORDERLICH / EMPFOHLEN / KEINE ÄNDERUNG]
## Was abgedeckt ist | ## Was fehlt | ## Was im Widerspruch steht
## Anwendungsfall-Register [Vorschlag falls neu]
## Zeitplan [vor Inbetriebnahme / beim nächsten Update]
Beispiel
Direktanfrage: "Wir wollen KI-gestützte Zusammenfassungen von Kundenbeschwerden einführen. Ein Mitarbeiter überprüft sie vor Weiterleitung."
Ausgabe: Register-Eintrag "Kundenseitige KI-Assistenz" → bedingt → Offenlegung erforderlich. Richtlinie schweigt zur KI-gestützten Beschwerde- bearbeitung. EMPFOHLENE Ergänzung: Abschnitt zu assistierter Kunden- kommunikation. DSGVO Art. 13/14: Datenschutzinformation muss KI-Einsatz nennen. Ergebnis: RICHTLINIENÄNDERUNG EMPFOHLEN.
Risiken und typische Fehler
- Sweep-Datum vor Bestätigung aktualisieren: unterdrückt beim nächsten Lauf
die Aufmerksamkeit für dieselben Lücken.
- Zu vage Formulierungsvorschläge: "KI-gestützt" bevorzugen statt
konkreter Modellnamen; keine Zusagen formulieren, die das Team nicht einhalten kann.
- Richtlinie selbst aktualisieren: nur nach menschlicher Prüfung und Freigabe.
- Eingehende Regelungsänderungen: das ist
regulierungs-luecken-analyse. Dieser Skill
überwacht nur interne Praxis-Abweichungen.
Quellenpflicht
- AI Act Art. 17 (Qualitätsmanagement) bei Hochrisiko-Anwendungsfällen.
- AI Act Art. 29 (Betreiberpflichten, Überwachung).
- DSGVO Art. 5 Abs. 2 (Rechenschaftspflicht) bei Richtlinien-Dokumentation.
- DSGVO Art. 22 bei automatisierten Entscheidungen.
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Wendehorst/Grinzinger, AI Act, 1. Aufl. 2024, Art. 17.
- Ehmann/Selmayr, DS-GVO, 3. Aufl. 2024, Art. 5 Rn. 62 ff.
Triage zu Beginn
- Sweep-Modus oder Direktanfrage — neue Praxis oder regelmäßiger Policy-Abgleich?
- Wann war der letzte Sweep — sind neue Anwendungsfaelle oder Folgenabschaetzungen seit dann dazugekommen?
- Gibt es bereits bekannte Richtlinien-Praxis-Kluft (z.B. Anwendungsfall ohne Richtlinien-Deckung)?
- Betrifft die neue Praxis einen Hochrisiko-Bereich (Art. 9 KI-VO Qualitaetsmanagement)?
- Ist eine Betriebsrats-Beteiligung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG relevant?
Aktuelle Rechtsprechung (v14.2)
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen