KI-Richtlinien-Starter
Zweck
Viele Unternehmen haben noch keine schriftliche KI-Nutzungsrichtlinie, oder arbeiten mit einer veralteten Fassung, die den AI Act (VO (EU) 2024/1689), DSGVO Art. 22 und den tatsächlichen Tool-Einsatz nicht abbildet.
Dieser Skill produziert einen Entwurf — keinen fertigen Text. Disziplin: (1) aus veröffentlichten Musterquellen sourcing, nicht aus dem Nichts; (2) Umfang vor Entwurf klären; (3) jeden Ermessensspielraum mit [prüfen] kennzeichnen; (4) Adoptionstatus-Signale nicht abschwächen.
Dieser Skill schließt keine Richtlinie ab, verteilt sie nicht und empfiehlt keine konkrete Position zu den schwierigen Entscheidungspunkten.
Eingaben
- Praxisprofil aus
CLAUDE.md(KI-Rolle, regulatorischer Fußabdruck,
bestehendes Register, Governance-Team, ggf. bestehende Richtlinie)
- Scopegespräch: welche Abschnitte? welche Zielgruppe? welcher Kontext?
Rechtlicher Rahmen
Kernvorschriften
- AI Act Art. 4 KI-VO: KI-Kompetenzverpflichtung — Anbieter und Betreiber
müssen hinreichende KI-Kompetenz ihres Personals sicherstellen; Richtlinie muss Schulungspflicht abbilden.
- AI Act Art. 9 KI-VO: Risikomanagementsystem für Hochrisiko-KI; interne
Richtlinien müssen Risikoidentifikations- und Mitigationsverfahren beschreiben.
- AI Act Art. 26/29 KI-VO: Betreiberpflichten — menschliche Aufsicht,
Protokollierung, Meldeobliegenheiten; müssen in der Richtlinie operationalisiert werden.
- DSGVO Art. 22: Vollautomatisierte Einzelentscheidungen nur unter Art. 22
Abs. 2 lit. a–c zulässig; Richtlinie muss Rechtsgrundlage und Widerspruchsrecht klären.
- § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG: Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei KI-
Tools zur Mitarbeiterüberwachung/-bewertung; vor Richtlinienabschnitt prüfen.
- GeschGehG §§ 2, 4: Schutz von Geschäftsgeheimnissen bei Eingabe
vertraulicher Daten in externe KI-Systeme.
- UrhG § 44b: Text-und-Data-Mining-Schranke; relevant bei KI-Training.
Leitentscheidungen
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Richtlinie muss Art. 22 Abs. 3 DSGVO-Widerspruchsrecht bei automatisierten Entscheidungen operationalisieren.
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
pflicht bei technischen Überwachungssystemen; gilt auch für KI-basierte Mitarbeiterbewertung.
Kommentare
- Wendehorst/Grinzinger, AI Act, 1. Aufl. 2024, Art. 4 Rn. 3 ff.
(KI-Kompetenzverpflichtung; interne Richtliniengestaltung).
- Ehmann/Selmayr, DS-GVO, 3. Aufl. 2024, Art. 22 Rn. 1 ff.
- Erfurter Kommentar/Müller-Glöge, 24. Aufl. 2024, § 87 BetrVG Rn. 32 ff.
(Mitbestimmung bei KI-Tools).
- Spindler/Schuster, Recht der elektronischen Medien, 4. Aufl. 2024,
Teil IV Rn. 100 ff. (Compliance-Anforderungen für KI-Nutzungsrichtlinien).
Hinweis: Dieser Skill ersetzt keine anwaltliche Beratung im Einzelfall.
Ablauf
Schritt 1 — Praxisprofil laden
CLAUDE.md lesen. Wenn ## KI-Richtlinien-Verpflichtungen ausgefüllt: Update-Modus (bestehende Richtlinie als Basis). Wenn leer: Erstfassung.
Schritt 2 — Scopegespräch (VOR dem Entwurf)
Welche Abschnitte soll die KI-Richtlinie enthalten?
1. Anwendungsbereich (wer, welche Tools, welche Daten)
2. Erlaubte und verbotene Nutzungen (inkl. Art. 5 KI-VO-Verbote)
3. Freigabe und Prüfung (Genehmigungsworkflow)
4. Offenlegung (Kunden, Mitarbeitende, Dritte; DSGVO Art. 13/14)
5. Datenhandhabung (vertrauliche Daten, Anbieter-Training; GeschGehG)
6. Schulung und Zertifizierung (Art. 4 KI-VO)
7. Vorfälle und Meldung (Art. 73 KI-VO Betreiber-Meldeobliegenheiten)
8. Durchsetzung (Verweis auf Disziplinarrahmen)
9. Überprüfungsrhythmus und Verantwortung (mind. jährlich)
10. Glossar (Hochrisiko-KI gem. Anhang III, DSGVO Art. 22, GeschGeh usw.)
Empfohlenes Startpaket für Erstfassungen: 1, 2, 3, 4, 5, 9.
Dann: Zielgruppe (alle MA / Rechtsabteilung / mit Betriebsrat?) und Anwendungskontext (Unternehmen / Konzern / Kanzlei / Behörde).
Schritt 3 — Musterquellen recherchieren
Aktuelle veröffentlichte Muster-KI-Richtlinien und Leitlinien suchen:
- Deutschland/EU: AI Act direkt (Art. 4, 9, 26, 29); EDPB Guidelines 01/2022
(Art. 22 DSGVO); DSK-Orientierungshilfen; BSI-Empfehlungen; Bitkom/DAV- Leitlinien; veröffentlichte Unternehmensrichtlinien aus DAX-Umfeld.
- Jeden verwendeten Quellennachweis im Quellenblock dokumentieren:
Name, URL, Zugriffsdatum, was der Entwurf daraus entnommen hat.
Schritt 4 — Entwurf erstellen
Kopfzeile:
ENTWURF ZUR INTERNEN RECHTLICHEN PRÜFUNG — NICHT ZUR VERTEILUNG
Erstellt für: [Unternehmensname] | Datum: [heute]
Nicht zur Beschlussfassung bis von [Syndikusrechtsanwalt / GC / Compliance
Officer] geprüft, angepasst und freigegeben.
Für jeden Abschnitt: materielle Regeln aus Musterquellen, inline- Quellenattribution, jeder Schwellenwert/Tool/Anbieter/Kontakt als [prüfen].
Freigabe-Checkliste am Ende:
- [ ] Syndikusrechtsanwalt / GC
[prüfen — Name] - [ ] IT / Informationssicherheit
[prüfen] - [ ] HR (für Durchsetzungs-/Schulungsabschnitte)
[prüfen] - [ ] Betriebsrat (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG)
[prüfen — erforderlich?] - [ ] Datenschutzbeauftragter (Art. 38 Abs. 1 DSGVO)
[prüfen] - [ ] Inkrafttretungsdatum und Überprüfungsrhythmus
[prüfen]
Ausgabeformat
Strukturiertes Markdown-Dokument: Kopfzeile, Quellenblock, Zusammenfassung (max. 3 Abs.), gewählte Abschnitte (materielle Regeln + inline-Quellen + offene Fragen je Abschnitt), Freigabe-Checkliste, Prüfhinweis. Sprache klar genug für Nicht-Juristen; Präzision liegt in den [prüfen]-Markern.
Beispiel
Anfrage: KI-Richtlinie für 200-Personen-Unternehmen mit Betriebsrat, Abschnitte 1, 2, 3, 5 und 9. Vorgehen: Betreiberrolle, Deutschland; AI Act Art. 4/26/29; EDPB Guidelines 01/2022; § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Abschnitt 3 (Freigabe): Hinweis, dass neue KI-Tools ggf. Betriebsrats- Zustimmung erfordern [prüfen — § 87 BetrVG; anwaltliche Prüfung empfohlen].
Risiken und typische Fehler
- Richtliniensprache erfinden: jede materielle Regel aus einer Quelle
belegen oder [prüfen — adaptiert, keine Direktquelle] kennzeichnen.
- Schwierige Entscheidungen vorwegnehmen: das ist ein
[prüfen], keine
empfohlene Position.
- § 87 BetrVG vergessen: bei Unternehmen mit Betriebsrat immer prüfen.
- Scope-Gespräch überspringen: "einfach alles" ist die Hauptfehlerquelle.
Quellenpflicht
- AI Act Art. 4, 9, 26/29 — VO (EU) 2024/1689.
- DSGVO Art. 22 bei automatisierten Entscheidungen.
- § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG bei Mitarbeiter-KI.
- GeschGehG §§ 2, 4 bei Abschnitt zu vertraulichen Daten.
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Entscheidungen.
- Wendehorst/Grinzinger, AI Act, 1. Aufl. 2024, Art. 4.
- Ehmann/Selmayr, DS-GVO, 3. Aufl. 2024, Art. 22.
- Erfurter Kommentar/Müller-Glöge, 24. Aufl. 2024, § 87 BetrVG Rn. 32 ff.
Triage zu Beginn
- Existiert bereits eine KI-Nutzungsrichtlinie — vollstaendig oder veraltet (vor KI-VO 2024)?
- Welche Zielgruppe soll die Richtlinie adressieren — alle Mitarbeiter, IT, Fachabteilungen?
- Ist ein Betriebsrat vorhanden — ist § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG-Mitbestimmung einzuholen?
- Welche KI-Systeme sind bereits im Einsatz — Inventar aus ki-inventar-Skill vorhanden?
- Welches regulatorische Regime ist massgeblich — KI-VO Hochrisiko, DSGVO Art. 22, DSA?
Output-Template — KI-Nutzungsrichtlinie (Entwurf)
Adressat: Alle Mitarbeiter / Geschaeftsleitung — Tonfall: klar, verbindlich, anwaltlich pruefbeduerftig
KI-NUTZUNGSRICH