Erlaeuterungstext zur BWA fuer den Mandanten
Kernsachverhalt
Die BWA ohne Erlaeuterung ist ein Zahlenfriedhof. Der Mandant — meist kein Bilanzbuchhalter — liest sie nicht oder falsch. Erst der Erlaeuterungstext macht aus Tabellen Steuerungsinformation. Der Steuerberater liefert auf 1-2 Seiten die wesentlichen Aussagen: Was ist passiert, welche Abweichungen sind erklaerungsbeduerftig, welche Handlungsempfehlungen ergeben sich? Ein guter Erlaeuterungstext erhoeht die Mandantenbindung und schuetzt vor Krisenuebersehen.
Kaltstart-Rueckfragen
- Welcher Mandantentyp — Solo-Unternehmer, Familien-GmbH, Mittelstand mit eigener Buchhaltung?
- Wie tief soll der Text gehen — kurze Zusammenfassung (1/2 Seite) oder ausfuehrliche Analyse (2 Seiten)?
- Welche Abweichungen sind wesentlich (Schwellenwert absolut/prozentual)?
- Welche Sondereffekte muessen erklaert werden (Sonderzahlung, Sonderabschreibung, Einmalumsatz)?
- Liegen Krisensignale vor (Eigenkapital negativ, SV-Rueckstaende, Umsatzeinbruch)?
- Welche Empfehlungen sind angebracht (Investition, Personalkosten, Lieferanten)?
- Adressat — GF (operativer Fokus), Aufsichtsrat (strategisch), Bank (Schuldendienst)?
- Welcher Stil — kurz und sachlich, ausfuehrlich erklaerend, mit Grafiken?
Rechtlicher Rahmen
Primaernormen
§ 33 StBerG — Aufgabenkreis des StB; Erlaeuterung ist Bestandteil der Hilfeleistung in Steuersachen.
§ 57 Abs. 1 StBerG — Gewissenhaftigkeit; auch in der Mandantenkommunikation.
§ 102 StaRUG — Hinweis- und Warnpflicht bei Krisensignalen; im Erlaeuterungstext zu beruecksichtigen.
§ 5 RDG — Abgrenzung Rechts- vs. Wirtschaftsberatung; rein wirtschaftliche Erlaeuterung ist StB-Aufgabe.
Standards
- IDW PS 480 (Erstellungsgrundsaetze).
- DStV-Praxisleitfaden Mandantenkommunikation.
- Berufsregeln BStBK § 13 Berufspflichten.
Workflow
Phase 1 — Schwellenwerte definieren
| Mandantengroesse | Absolute Schwelle | Prozentuale Schwelle | |---|---|---| | Kleinunternehmer < 500.000 EUR Umsatz | ab 500 EUR Abweichung | ab 10 Prozent | | KMU 500.000-5 Mio EUR Umsatz | ab 2.000 EUR | ab 5 Prozent | | Mittelstand 5-50 Mio EUR | ab 10.000 EUR | ab 3 Prozent | | Grosser Mittelstand > 50 Mio EUR | ab 50.000 EUR | ab 2 Prozent |
Phase 2 — Erlaeuterungs-Struktur
ERLAEUTERUNGEN ZUR BWA
Mandant: [Firma] GmbH
Zeitraum: [Monat / Quartal / kumuliert]
Stichtag: [Datum]
1. ZUSAMMENFASSUNG (3 Saetze)
[Wie war der Monat insgesamt? Auf einen Blick.]
2. UMSATZ UND ERTRAGSLAGE
[Umsatzentwicklung, Margenentwicklung, Sondereffekte.]
3. KOSTENSTRUKTUR
[Material- und Personalkostenquote, sonstige Aufwendungen.]
4. WESENTLICHE ABWEICHUNGEN
[Positionen ueber Schwellenwert, mit vermuteten Ursachen.]
5. RISIKEN / HINWEISE
[Liquiditaet, OPOS, Steuer- oder SV-Rueckstaende, Krisensignale.]
6. EMPFEHLUNGEN
[Konkrete Massnahmen oder Klaerungsbedarf.]
7. AUSBLICK
[Erwartung Jahresende oder naechstes Quartal.]
Phase 3 — Sondereffekte erlaeutern
- Einmaleffekte (Anlagenverkauf, Versicherungsleistung): Hinweis auf "ohne Sondereffekt waere das Ergebnis ...".
- Sonderabschreibungen (§ 7b, § 7g EStG): kurz erklaeren, dass es sich um steuerliche Foerderung handelt.
- Sonderzahlungen Personal (Tantieme, Weihnachtsgeld): Hinweis auf Periodicitaet.
Phase 4 — Risiko- und Hinweis-Block
- Bei OPOS-Listen mit ueberfaelligen Forderungen > 60 Tage: Hinweis auf Forderungsausfall-Risiko.
- Bei Steuerrueckstaenden: Hinweis auf Saeumniszuschlaege § 240 AO und ggf. Stundung § 222 AO.
- Bei SV-Rueckstaenden: dringender Hinweis (§ 266a StGB-Risiko fuer GF).
- Bei Eigenkapitalerosion: Verweis auf Pruefung § 19 InsO und stb-bwa-sus-bilanz-pruefung.
Phase 5 — Empfehlungen formulieren
- Konkret und umsetzbar: "Bitte pruefen Sie Mahnungen fuer OP > 60 Tage" statt "OP-Management verbessern".
- Bei wesentlichen Massnahmen: Termin zur Besprechung anbieten.
- Keine Rechtsberatung (§ 5 RDG); bei Rechtsfragen Verweis auf Anwalt.
Phase 6 — Freigabe und Versand
- 4-Augen-Prinzip: Sachbearbeiter schreibt, Berufstraeger gibt frei.
- Versand zusammen mit der BWA als PDF im verschluesselten Mandantenportal.
Output
- Erlaeuterungstext 1-2 Seiten DIN A4 als PDF.
- Beigeheftet zur BWA.
- Mandantenakte mit Versanddatum dokumentiert.
Strategie und Praxis-Tipps
- Erlaeuterungstexte standardisieren: Bausteinbibliothek pflegen, individualisieren je Mandant.
- Erlaeuterungstexte sind Haftungsschutz — bei spaeterem Streit kann der StB nachweisen, dass er hingewiesen hat.
- Nicht ausufernd: Mandant liest 2 Seiten, nicht 10. Was nicht in 2 Seiten passt, gehoert ins Quartalsgespraech.
- Wiederkehrende Posten in den Folgemonaten nur kurz erwaehnen, neuartige Effekte ausfuehrlich.
- StBVV: Erlaeuterungstext als Teil der BWA-Erstellung pauschalisiert; bei Sondererlaeuterung Zeithonorar.
Querverweise
stb-bwa-aufbau-grundlagen— BWA-Grundlagen.stb-bwa-mandantengespraech-uebergabe— Quartalsgespraech.stb-bwa-zeitlicher-vergleich-jahresvergleich— Abweichungsanalyse.stb-bwa-sus-bilanz-pruefung— Krisensignale.stb-warnschreiben-krisensignale— formelles Warnschreiben.
Quellen und Updates
Stand: 05/2026.
- StBerG §§ 33, 57.
- StaRUG § 102.
- RDG § 5.
- AO §§ 222, 240.
- StGB § 266a.
- IDW PS 480.