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stb-bwa-erlaeuterungstext-mandant

Erlaeuterungstext unter der BWA für den Mandanten. Anwendungsfall Monats- oder Quartals-BWA mit kurzem fachlichem Begleittext der die wesentlichen Abweichungen und Risiken benennt. Aufbau Sachverhalt Erlaeuterung Ausblick Empfehlung. Output strukturierter Erlaeuterungstext 1 bis 2 Seiten als Anhang zur BWA Querverweis stb-bwa-mandantengespraech-uebergabe.

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Erlaeuterungstext zur BWA fuer den Mandanten

Kernsachverhalt

Die BWA ohne Erlaeuterung ist ein Zahlenfriedhof. Der Mandant — meist kein Bilanzbuchhalter — liest sie nicht oder falsch. Erst der Erlaeuterungstext macht aus Tabellen Steuerungsinformation. Der Steuerberater liefert auf 1-2 Seiten die wesentlichen Aussagen: Was ist passiert, welche Abweichungen sind erklaerungsbeduerftig, welche Handlungsempfehlungen ergeben sich? Ein guter Erlaeuterungstext erhoeht die Mandantenbindung und schuetzt vor Krisenuebersehen.

Kaltstart-Rueckfragen

  1. Welcher Mandantentyp — Solo-Unternehmer, Familien-GmbH, Mittelstand mit eigener Buchhaltung?
  2. Wie tief soll der Text gehen — kurze Zusammenfassung (1/2 Seite) oder ausfuehrliche Analyse (2 Seiten)?
  3. Welche Abweichungen sind wesentlich (Schwellenwert absolut/prozentual)?
  4. Welche Sondereffekte muessen erklaert werden (Sonderzahlung, Sonderabschreibung, Einmalumsatz)?
  5. Liegen Krisensignale vor (Eigenkapital negativ, SV-Rueckstaende, Umsatzeinbruch)?
  6. Welche Empfehlungen sind angebracht (Investition, Personalkosten, Lieferanten)?
  7. Adressat — GF (operativer Fokus), Aufsichtsrat (strategisch), Bank (Schuldendienst)?
  8. Welcher Stil — kurz und sachlich, ausfuehrlich erklaerend, mit Grafiken?

Rechtlicher Rahmen

Primaernormen

§ 33 StBerG — Aufgabenkreis des StB; Erlaeuterung ist Bestandteil der Hilfeleistung in Steuersachen.

§ 57 Abs. 1 StBerG — Gewissenhaftigkeit; auch in der Mandantenkommunikation.

§ 102 StaRUG — Hinweis- und Warnpflicht bei Krisensignalen; im Erlaeuterungstext zu beruecksichtigen.

§ 5 RDG — Abgrenzung Rechts- vs. Wirtschaftsberatung; rein wirtschaftliche Erlaeuterung ist StB-Aufgabe.

Standards

  • IDW PS 480 (Erstellungsgrundsaetze).
  • DStV-Praxisleitfaden Mandantenkommunikation.
  • Berufsregeln BStBK § 13 Berufspflichten.

Workflow

Phase 1 — Schwellenwerte definieren

| Mandantengroesse | Absolute Schwelle | Prozentuale Schwelle | |---|---|---| | Kleinunternehmer < 500.000 EUR Umsatz | ab 500 EUR Abweichung | ab 10 Prozent | | KMU 500.000-5 Mio EUR Umsatz | ab 2.000 EUR | ab 5 Prozent | | Mittelstand 5-50 Mio EUR | ab 10.000 EUR | ab 3 Prozent | | Grosser Mittelstand > 50 Mio EUR | ab 50.000 EUR | ab 2 Prozent |

Phase 2 — Erlaeuterungs-Struktur

ERLAEUTERUNGEN ZUR BWA
Mandant: [Firma] GmbH
Zeitraum: [Monat / Quartal / kumuliert]
Stichtag: [Datum]

1. ZUSAMMENFASSUNG (3 Saetze)
[Wie war der Monat insgesamt? Auf einen Blick.]

2. UMSATZ UND ERTRAGSLAGE
[Umsatzentwicklung, Margenentwicklung, Sondereffekte.]

3. KOSTENSTRUKTUR
[Material- und Personalkostenquote, sonstige Aufwendungen.]

4. WESENTLICHE ABWEICHUNGEN
[Positionen ueber Schwellenwert, mit vermuteten Ursachen.]

5. RISIKEN / HINWEISE
[Liquiditaet, OPOS, Steuer- oder SV-Rueckstaende, Krisensignale.]

6. EMPFEHLUNGEN
[Konkrete Massnahmen oder Klaerungsbedarf.]

7. AUSBLICK
[Erwartung Jahresende oder naechstes Quartal.]

Phase 3 — Sondereffekte erlaeutern

  • Einmaleffekte (Anlagenverkauf, Versicherungsleistung): Hinweis auf "ohne Sondereffekt waere das Ergebnis ...".
  • Sonderabschreibungen (§ 7b, § 7g EStG): kurz erklaeren, dass es sich um steuerliche Foerderung handelt.
  • Sonderzahlungen Personal (Tantieme, Weihnachtsgeld): Hinweis auf Periodicitaet.

Phase 4 — Risiko- und Hinweis-Block

  • Bei OPOS-Listen mit ueberfaelligen Forderungen > 60 Tage: Hinweis auf Forderungsausfall-Risiko.
  • Bei Steuerrueckstaenden: Hinweis auf Saeumniszuschlaege § 240 AO und ggf. Stundung § 222 AO.
  • Bei SV-Rueckstaenden: dringender Hinweis (§ 266a StGB-Risiko fuer GF).
  • Bei Eigenkapitalerosion: Verweis auf Pruefung § 19 InsO und stb-bwa-sus-bilanz-pruefung.

Phase 5 — Empfehlungen formulieren

  • Konkret und umsetzbar: "Bitte pruefen Sie Mahnungen fuer OP > 60 Tage" statt "OP-Management verbessern".
  • Bei wesentlichen Massnahmen: Termin zur Besprechung anbieten.
  • Keine Rechtsberatung (§ 5 RDG); bei Rechtsfragen Verweis auf Anwalt.

Phase 6 — Freigabe und Versand

  • 4-Augen-Prinzip: Sachbearbeiter schreibt, Berufstraeger gibt frei.
  • Versand zusammen mit der BWA als PDF im verschluesselten Mandantenportal.

Output

  • Erlaeuterungstext 1-2 Seiten DIN A4 als PDF.
  • Beigeheftet zur BWA.
  • Mandantenakte mit Versanddatum dokumentiert.

Strategie und Praxis-Tipps

  • Erlaeuterungstexte standardisieren: Bausteinbibliothek pflegen, individualisieren je Mandant.
  • Erlaeuterungstexte sind Haftungsschutz — bei spaeterem Streit kann der StB nachweisen, dass er hingewiesen hat.
  • Nicht ausufernd: Mandant liest 2 Seiten, nicht 10. Was nicht in 2 Seiten passt, gehoert ins Quartalsgespraech.
  • Wiederkehrende Posten in den Folgemonaten nur kurz erwaehnen, neuartige Effekte ausfuehrlich.
  • StBVV: Erlaeuterungstext als Teil der BWA-Erstellung pauschalisiert; bei Sondererlaeuterung Zeithonorar.

Querverweise

  • stb-bwa-aufbau-grundlagen — BWA-Grundlagen.
  • stb-bwa-mandantengespraech-uebergabe — Quartalsgespraech.
  • stb-bwa-zeitlicher-vergleich-jahresvergleich — Abweichungsanalyse.
  • stb-bwa-sus-bilanz-pruefung — Krisensignale.
  • stb-warnschreiben-krisensignale — formelles Warnschreiben.

Quellen und Updates

Stand: 05/2026.

  • StBerG §§ 33, 57.
  • StaRUG § 102.
  • RDG § 5.
  • AO §§ 222, 240.
  • StGB § 266a.
  • IDW PS 480.
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