Kapitalflussrechnung nach DRS 21 indirekte Methode
Kernsachverhalt
Die Kapitalflussrechnung ist nach DRS 21 Pflichtbestandteil des Konzernabschlusses (§ 297 HGB) und freiwillig fuer Einzelabschluesse. Die indirekte Methode leitet den Cashflow aus dem Jahresueberschuss durch Eliminierung nicht-zahlungswirksamer Posten und Beruecksichtigung von Bilanzveraenderungen ab. Sie ist Bank-Standard, Bestandteil von Sanierungskonzepten nach IDW S 6 und Grundlage der Fortbestehensprognose nach § 19 InsO.
Kaltstart-Rueckfragen
- Welcher Anlass — Jahresabschluss Konzern, Sanierungskonzept, Bank-Reporting, freiwillige Erstellung?
- Liegen Bilanz Anfang und Ende sowie BWA/GuV vor?
- Welche Methode — indirekt (Standard) oder direkt (selten)?
- Welche Konsolidierung — Einzel oder Konzern?
- Sondereffekte (Anlagenverkauf, Sondertilgung, Kapitalerhoehung)?
- Welcher Fonds — Liquide Mittel (Bank+Kasse), Finanzmittel weiter (incl. Wertpapiere)?
- Welche Vorperiode wird vergleichend dargestellt?
- Adressat — interne Steuerung, externe Veroeffentlichung, Sanierungsgutachten?
Rechtlicher Rahmen
Primaernormen
§ 297 HGB — Konzernabschluss; Kapitalflussrechnung verpflichtend.
§ 264 HGB — Aufstellungspflicht Einzelabschluss; Kapitalflussrechnung freiwillig.
§ 252 HGB — Bewertungsgrundsaetze.
§ 19 Abs. 2 InsO — Fortbestehensprognose mit Liquiditaetsbetrachtung.
Standards
- DRS 21 — Kapitalflussrechnung (gilt fuer Konzernabschluss; analog fuer Einzelabschluss).
- IDW S 6 — Sanierungskonzept; Cashflow-Rechnung Pflicht.
- IDW PS 305 — Risikofrueherkennung.
- IAS 7 — Cashflow Statements (bei internationaler Konzern-Reporting).
Workflow
Phase 1 — Datenbasis
- Bilanz Anfang und Ende (zwei Stichtage).
- GuV/BWA der Periode.
- Anlagenspiegel mit Zugaengen, Abgaengen, AfA.
- Eigenkapitalveraenderungsrechnung.
- Detail-Konten fuer ausserordentliche Posten.
Phase 2 — Struktur DRS 21
KAPITALFLUSSRECHNUNG nach DRS 21 (indirekte Methode)
I. CASHFLOW AUS LAUFENDER GESCHAEFTSTAETIGKEIT
Jahresueberschuss/Fehlbetrag [X]
+/- Abschreibungen/Zuschreibungen Anlagevermoegen [X]
+/- Veraenderung Rueckstellungen [X]
+/- Sonstige nicht-zahlungswirksame Aufwendungen/Ertraege [X]
+/- Veraenderung Vorraete [X]
+/- Veraenderung Forderungen LuL [X]
+/- Veraenderung sonstige Aktiva [X]
+/- Veraenderung Verbindlichkeiten LuL [X]
+/- Veraenderung sonstige Passiva [X]
+/- Gezahlte/Erstattete Ertragsteuern [X]
= Cashflow aus laufender Geschaeftstaetigkeit [X]
II. CASHFLOW AUS INVESTITIONSTAETIGKEIT
- Auszahlungen fuer Investitionen Sachanlagen [X]
- Auszahlungen fuer Investitionen immat. WG [X]
- Auszahlungen fuer Investitionen Finanzanlagen [X]
+ Einzahlungen aus Abgang Sachanlagen [X]
+ Einzahlungen aus Abgang Finanzanlagen [X]
= Cashflow aus Investitionstaetigkeit [X]
III. CASHFLOW AUS FINANZIERUNGSTAETIGKEIT
+ Einzahlungen aus Kapitalerhoehung [X]
+ Aufnahme Darlehen Kreditinstitute [X]
- Tilgung Darlehen Kreditinstitute [X]
- Ausschuettungen an Gesellschafter [X]
= Cashflow aus Finanzierungstaetigkeit [X]
IV. VERAENDERUNG FINANZMITTELFONDS [X]
+ Finanzmittelfonds zu Beginn der Periode [X]
= Finanzmittelfonds am Ende der Periode [X]
Phase 3 — Ableitung Bewegungen
| Posten | Ermittlung | |---|---| | Veraenderung Vorraete | Vorraete Ende minus Vorraete Anfang (Aktiva-Erhoehung mindert Cashflow) | | Veraenderung Forderungen | Forderungen Ende minus Anfang (Erhoehung mindert Cashflow) | | Veraenderung Verbindlichkeiten | Verbindlichkeiten Ende minus Anfang (Erhoehung erhoeht Cashflow) | | Abschreibungen | Aus Anlagenspiegel; nicht-zahlungswirksam → wird zurueckaddiert | | Veraenderung Rueckstellungen | Rueckstellungen Ende minus Anfang; nicht-zahlungswirksam |
Phase 4 — Sondereffekte
- Anlagenverkauf: Differenz Buchwert/Verkaufserloes als Sonderposten; Buchgewinn aus laufendem Cashflow herausrechnen.
- Sondertilgung: in Finanzierungstaetigkeit, nicht in laufender Geschaeftstaetigkeit.
- Kapitalerhoehung: in Finanzierungstaetigkeit, nicht Ergebnis.
- Ausschuettungen: in Finanzierungstaetigkeit, kein Aufwand.
Phase 5 — Plausibilitaetspruefung
- Endsaldo Finanzmittelfonds = Bilanzposten "Liquide Mittel" zum Endstichtag? (Mussmatch sein.)
- Vergleich Vorjahr: aussergewoehnliche Veraenderungen kenntlich machen.
- Zusammenwirken mit Bewegungsbilanz pruefen.
Phase 6 — Erlaeuterung und Versand
- Erlaeuterung wesentlicher Posten in Anhang (insb. Investitionstaetigkeit).
- Bei Bank-/Investor-Reporting Praesentationsformat (eine Seite plus Erlaeuterung).
- Sanierungskonzept IDW S 6: integriert mit Plan-Cashflow 24 Monate.
Output
- Kapitalflussrechnung nach DRS 21 indirekte Methode.
- Erlaeuterung wesentlicher Veraenderungen.
- Anhang im Jahresabschluss (freiwillig im Einzelabschluss).
Strategie und Praxis-Tipps
- Bei Mittelstand: Kapitalflussrechnung auf Wunsch des Bank-Partners als Standard.
- Konzernabschluss: Pflicht nach DRS 21 — nicht verhandelbar.
- Bei IFRS-orientierten Konzernen: parallel IAS 7 darstellen.
- Praxis-Tipp: Cashflow aus laufender Geschaeftstaetigkeit ist Indikator fuer organische Ertragskraft; deutlich unter Jahresueberschuss = Working-Capital-Problem.
- StBVV: Kapitalflussrechnung als separater Auftrag (Anhang Jahresabschluss).
- DATEV-Tipp: DATEV Konzernabschluss/Jahresabschluss-Modul mit Kapitalflussrechnung; bei Einzelabschluss manuelle Erstellung.
Querverweise
stb-bwa-bewegungsbilanz-erstellen— Vorstufe.stb-bwa-cashflow-laienverstaendlich— vereinfachte Darstellung.stb-jahresabschluss-vorbereitung-stichtag— Jahresabschluss.stb-liquiditaetsvorschau-3-6-12-monate— Plan-Cashflow.stb-bwa-sus-bilanz-pruefung— Krisenfrueherkennung BWA/SuSa/Bilanz.
Quellen und Updates
Stand: 05/2026.
- HGB §§ 264, 297.
- DRS 21.
- IDW S 6, IDW PS 305.
- IAS 7 (international).
- InsO § 19.