DBA Deutschland-USA (1989) mit Protokollen (1998, 2006, geplant 2021)
Kernsachverhalt
Das DBA-USA vom 29.08.1989 (BGBl. 1991 II S. 354) mit Aenderungsprotokollen vom 14.12.1998, 01.06.2006 und ggf. weiteren ist eines der bedeutendsten DBA Deutschlands. Schwerpunkte sind die Limitation-on-Benefits-Klausel (LOB), Pension Protection im Protokoll 2006 (Schutz US-amerikanischer Pensionsplaene IRA und 401(k)), Branch Profits Tax, Beteiligungseinkuenfte deutscher Investoren in US-Gesellschaften und umgekehrt, Sportler/Kuenstler und Wegzugsbesteuerung. Die USA sind kein MLI-Mitglied — bilaterale Aenderungen.
Kaltstart-Rueckfragen
- Konstellation: Direktinvestition, Holding-LP, Beteiligung S-Corp/C-Corp, Pension, Sportler/Kuenstler, Wegzug?
- Bei Holding: LOB-Test — wer sind die letztwirtschaftlichen Beguenstigten?
- Bei Pension: IRA, 401(k), Roth IRA, betriebliche Pension?
- Bei Beteiligung: Schachtelhoehe?
- Bei Wegzug DE → USA: § 6 AStG-Pruefung, USA ist Drittland?
- Bei US-Branch-Beteiligung: Branch Profits Tax?
- Sportler/Kuenstler: Auftritte in den USA, Hoehe Verguetung?
- Ansaessigkeitsbescheinigung Form 6166 vorhanden?
Rechtlicher Rahmen
Primaernormen
- DBA Deutschland-USA vom 29.08.1989 (BGBl. 1991 II S. 354), in Kraft seit 21.08.1991, anwendbar ab 01.01.1990.
- Aenderungsprotokoll vom 14.12.1998 (bilaterale Anpassungen; Bekanntmachung der Neufassung Erbschaftsteuer-DBA 21.12.2000).
- Aenderungsprotokoll vom 01.06.2006 (BGBl. 2006 II S. 1184; Inkrafttreten 28.12.2007, BGBl. 2008 II S. 611): Pension Protection (Schutz US-amerikanischer Pensionsplaene IRA, 401(k), Roth IRA, deutsche Riester/Rurup), LOB-Klausel deutlich verschaerft, Schiedsverfahren in Art. 25.
- OECD-MA als Auslegungshilfe — USA folgen tendenziell US-Modell-DBA, nicht OECD-MA.
- §§ 34c, 32b, 50d EStG, § 6, § 20 AStG.
- § 50d Abs. 3 EStG Anti-Treaty-Shopping (anwendbar bei US-Holding mit Drittstaats-Beguenstigten).
- § 50d Abs. 12 EStG zu Pensionsfondsverteilungen.
- MLI: USA nicht Unterzeichner — DBA-USA bleibt bilateral.
Leitentscheidungen und BMF-Schreiben
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- BMF-Schreiben zur steuerrechtlichen Einordnung von US-LLCs vom 19.03.2004 (BStBl. I 2004, 411): Pruefung anhand Merkmalskatalog (Haftung, Geschaeftsfuehrung, Anteilsuebertragung, Lebensdauer, Gewinnverteilung), ob PersGes oder KapGes.
- BMF-Schreiben zu Pension Protection und IRA/401(k): aktuellen Stand beim BMF pruefen.
Land-spezifisches
Ansaessigkeit (Art. 4)
- US-Tie-Breaker erweitert um Staatsangehoerigkeit (US ist citizenship-basierte Steuerjurisdiktion).
- US-Citizens und Green Card Holder weltweit steuerpflichtig — DBA loest aber Doppelbesteuerung.
Betriebsstaette (Art. 5)
- Bauausfuehrung 12 Monate.
- Aufsichtstaetigkeit auf Baustelle eigenstaendige BS.
Aktive Einkuenfte
- Loehne (Art. 15): 183-Tage-Regel.
- Schifffahrt (Art. 8): tatsaechliche Geschaeftsleitung Reederei.
Passive Einkuenfte
- Dividenden (Art. 10): nach OECD-MA typischerweise 5/15 Prozent (Schachtel/Streubesitz); im DBA-USA seit Protokoll 2006 zusaetzlich ein Sondersatz fuer qualifizierte Hochbeteiligungen, der in der Literatur regelmaessig mit 0 Prozent bei einer Mindestbeteiligung von 80 Prozent und einer Mindesthaltedauer (jeweils nach LOB-Voraussetzungen) referenziert wird — konkreter Satz, Beteiligungsschwelle und Mindesthaltedauer ausschliesslich aus dem konsolidierten DBA-Text Art. 10 i.V.m. Protokoll 2006 und der zugehoerigen LOB-Klausel zu entnehmen, da Satz, Schwelle und LOB-Voraussetzungen kumulativ wirken.
- Zinsen (Art. 11): 0 Prozent (ausschliesslich Ansaessigkeitsstaat), mit Sonderregeln fuer Contingent Interest und Hybrid-Beteiligungen gemaess DBA-Text und Protokoll 2006.
- Lizenzgebuehren (Art. 12): 0 Prozent (ausschliesslich Ansaessigkeitsstaat); Sonderregelungen fuer kulturelle Werke und gewerbliche Ausruestung gemaess DBA-Text pruefen.
Vermeidungs-Methode (Art. 23)
- Deutschland: Anrechnungsmethode — bei aktiven Einkuenften ggf. Freistellung mit Aktivitaetsklausel.
- USA: Anrechnung.
Limitation on Benefits (LOB)
Die LOB-Klausel im DBA-USA ist in Art. 28 DBA-USA geregelt (Fassung gemaess Protokoll 2006, BGBl. 2006 II S. 1184) und die zentrale Anti-Missbrauchsregelung. DBA-Schutz nur, wenn die ansaessige Person als "qualifizierte Person" gilt:
- Natuerliche Person ansaessig in Staat X: berechtigt.
- Boersennotierte Gesellschaft: berechtigt.
- Tochter boersennotierter Gesellschaft: berechtigt.
- Non-profit Organisation, Pensionskasse: berechtigt.
- Ownership/Base-Erosion-Test: 50 Prozent Anteile von berechtigten Ansaessigen, base erosion unter 50 Prozent.
- Active Trade or Business-Test: substanzieller Geschaeftsbetrieb in Staat X verbunden mit der Einkunftserzielung.
- Derivative Benefits-Test fuer EU-/EWR-Beteiligung.
- Discretionary Benefits: zustaendige Behoerde kann gewaehren.
Pension Protection (Protokoll 2006)
- Beitraege zu US-IRA, 401(k), Roth IRA werden bei Wohnsitz Deutschland teilweise wie deutsche Altersvorsorge anerkannt.
- Beitraege zu deutscher gesetzlicher Rentenversicherung, Riester, Rurup werden in den USA anerkannt.
- Detail: Anwendungsbestimmungen im Protokoll 2006 (BGBl. 2006 II S. 1184) Art. XV und XVI.
Branch Profits Tax
- US-Filiale deutscher Gesellschaft: zusaetzliche US-amerikanische Steuer auf "branch profits" (Aequivalent zu Dividenden-Ausschuettung; nationaler US-Standardsatz 30 Prozent unter IRC). DBA-USA reduziert auf den Dividendensatz Art. 10 (5 Prozent bei qualifizierten Hochbeteiligungen / 15 Prozent Streubesitz); konkrete Voraussetzungen gemaess DBA-Text und Protokoll 2006 pruefen.
Sportler und Kuenstler (Art. 17)
- Auftrittsstaat besteuert.
- US-Quellensteuer ueber IRS-Form 8233/W-8BEN.
Workflow
Phase 1 — DBA-Anwendbarkeit
Phase 2 — Ansaessigkeit klaeren (incl. US-Citizenship-Klausel)
Phase 3 — LOB-Test durchspielen
- Qualifizierte Person?
- Active Trade or Business?
- Derivative Benefits?
- Sonst Discretionary Benefits?
Phase 4 — Einkunftsart einordnen
Phase 5 — Quellensteuer-Hoechstsatz
Phase 6 — Pension Protection bei IRA/401(k)
Phase 7 — Branch Profits Tax pruefen
Phase 8 — Erstattung / Erklaerung
- BZSt fuer US-Empfaenger deutscher Quellen (Kapitalertragsteuer, § 50a-Steuerabzug) — Antrag auf Erstattung (§ 50c Abs. 3 EStG, Frist vier Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres der Steuerentstehung) oder Freistellungsbescheinigung (§ 50c Abs. 2 EStG, vorab, Geltungsdauer bis drei Jahre). Pflichtanlage: IRS Form 6166 Ansaessigkeitsbescheinigung; Einreichung ueber BZSt-Online-Portal (BOP).
- IRS Form W-8BEN (natuerliche Person) bzw. W-8BEN-E (Entity) — vom deutschen Empfaenger an den US-Vergueterschuldner zur Reduktion des US-Quellensteuerabzugs (chapter 3 IRC) auf DBA-Hoechstsatz.
- IRS Form 8233 — Steuerbefreiungs- oder -ermaessigungsantrag fuer unabhaengige persoenliche Dienste sowie fuer Kuenstler/Sportler (Art. 14, 17 DBA-USA).
- IRS Form 6166 Ansaessigkeitsbescheinigung — vom deutschen Steuerpflichtigen ueber das BZSt zu beantragen ist die US-Ansaessigkeitsbescheinigung von der IRS; Beantragung bei der IRS ueber Form 8802 (gebuehrenpflichtig).
- Bei deutscher Ansaessigkeitsbescheinigung fuer US-Behoerden: BZSt-Formular zur Ansaessigkeitsbescheinigung Bundesrepublik Deutschland nutzen.
Output
- Mandanten-Memo USA mit LOB-Subsumtion.
- LOB-Test-Tabelle durchgespielt.
- Pension Protection-Memo bei IRA/401(k).
- Branch-Profits-Tax-Berechnung.
- BZSt- und IRS-Antragspaket.
Strategie und Praxis-Tipps
- LOB-Klausel ist DAS Nadeloehr des DBA-USA — frueh pruefen; bei Misserfolg LOB Discretionary Benefits beantragen.
- US-LL