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Strafmilderung nach § 49 StGB. Abs. 1 zwingende Milderung mit konkreten Bezugsgroessen Hoechstmass 3/4 Mindeststrafe ermaessigt; bei lebenslang 3 bis 15 Jahre. Abs. 2 fakultative Milderung bis zum gesetzlichen Mindestmass. Anwendungsfaelle Versuch § 23 Abs. 2, Beihilfe § 27 Abs. 2, persoenliche Merkmale § 28 Abs. 1, verminderte Schuldfaehigkeit § 21, Verbotsirrtum § 17, TOA § 46a. Mehrfachmilderun

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Strafmilderung — § 49 StGB

Worum geht es?

§ 49 StGB enthaelt die technische Anleitung, wie der Strafrahmen verschoben wird, wenn das Gesetz auf die Milderung verweist. Abs. 1 ist eine zwingende Milderung mit konkret bestimmten Bezugsgroessen. Abs. 2 ist eine fakultative Milderung; sie laesst es zu, die Strafe bis zum gesetzlichen Mindestmass abzusenken oder statt Freiheitsstrafe auf Geldstrafe zu erkennen.

Wann brauchen Sie diese Skill?

  • Sie pruefen, ob ein Tatbestandsmerkmal oder eine Strafrechtsfigur § 49 StGB ausloest (Versuch, Beihilfe, § 28 Abs. 1 StGB, § 21 StGB, § 17 StGB, § 46a StGB).
  • Sie bestimmen den konkreten Strafrahmen vor der eigentlichen Zumessung.
  • Sie pruefen ein Urteil revisionsmaessig auf richtige Anwendung des § 49 StGB.

Rechtliche Grundlagen

§ 49 Abs. 1 StGB — Zwingende Milderung

Wenn das Gesetz die Milderung nach dieser Vorschrift vorschreibt:

  • Nr. 1: Statt lebenslanger Freiheitsstrafe Freiheitsstrafe 3 bis 15 Jahre.
  • Nr. 2: Bei zeitiger Freiheitsstrafe darf hoechstens 3/4 des angedrohten Hoechstmasses verhaengt werden.
  • Nr. 3: Das erhoehte Mindestmass einer Freiheitsstrafe ermaessigt sich:
  • bei einem Mindestmass von 10 oder 5 Jahren auf 2 Jahre;
  • bei einem Mindestmass von 3 oder 2 Jahren auf 6 Monate;
  • bei einem Mindestmass von 1 Jahr auf 3 Monate;
  • im uebrigen auf das gesetzliche Mindestmass.

§ 49 Abs. 2 StGB — Fakultative Milderung

Das Gericht kann nach pflichtgemaessem Ermessen die Strafe bis zum gesetzlichen Mindestmass der angedrohten Strafart mildern oder statt Freiheitsstrafe auf Geldstrafe erkennen.

Anwendungsfaelle § 49 Abs. 1 StGB (zwingend)

  • § 23 Abs. 2 StGB — Versuch (kann gemildert werden); wenn das Gericht milden moechte, milderts nach § 49 Abs. 1 StGB. (Bei Versuch ist die Milderung selbst fakultativ, aber wenn gemildert, dann nach Abs. 1.)
  • § 27 Abs. 2 StGB — Beihilfe: Strafe ist zwingend nach § 49 Abs. 1 StGB zu mildern.
  • § 28 Abs. 1 StGB — Bei fehlenden strafbegruendenden persoenlichen Merkmalen des Teilnehmers Milderung nach § 49 Abs. 1 StGB.
  • § 17 Satz 2 StGB — Vermeidbarer Verbotsirrtum: Milderung kann nach § 49 Abs. 1 StGB erfolgen.
  • § 21 StGB — Verminderte Schuldfaehigkeit: Milderung kann nach § 49 Abs. 1 StGB.
  • § 46a StGB — TOA oder Schadenswiedergutmachung: Strafmilderung nach § 49 Abs. 1 StGB oder bei Strafe nicht ueber 1 Jahr Absehen von Strafe; vgl. taeter-opfer-ausgleich-46a-stgb-und-schadenswiedergutmachung.
  • § 46b StGB — Aufklaerungshilfe (Kronzeugenregelung): kann nach § 49 Abs. 1 StGB gemildert oder bei Mindeststrafe unter 3 Jahren Absehen von Strafe.
  • § 35 Abs. 2 StGB — Vermeidbarer entschuldigender Notstand: Milderung nach § 49 Abs. 1 StGB.

Anwendungsfaelle § 49 Abs. 2 StGB (fakultativ)

  • Selten als Verweis, haeufig in der Praxis bei Sondernormen, die "Strafmilderung nach § 49 Abs. 2 StGB" zulassen. Beispiele: § 13 Abs. 2 StGB (Unterlassen mit Garantenstellung).

Berechnungsbeispiele

Beispiel 1: Beihilfe zum Raub § 27 Abs. 2 i.V.m. § 49 Abs. 1 StGB

  • Grundtatbestand § 249 Abs. 1 StGB: Freiheitsstrafe 1 Jahr bis 15 Jahre.
  • Beihilfe-Milderung nach § 49 Abs. 1 StGB:
  • Hoechstmass: 3/4 von 15 Jahren = 11 Jahre 3 Monate.
  • Mindestmass: bei Mindeststrafe von 1 Jahr ermaessigt auf 3 Monate (Nr. 3).
  • Konkreter Strafrahmen: 3 Monate bis 11 Jahre 3 Monate.

Beispiel 2: Verminderte Schuldfaehigkeit § 21 StGB beim Totschlag § 212 StGB

  • Grundtatbestand § 212 Abs. 1 StGB: 5 bis 15 Jahre.
  • § 21 i.V.m. § 49 Abs. 1 StGB:
  • Hoechstmass: 3/4 von 15 Jahren = 11 Jahre 3 Monate.
  • Mindestmass: bei Mindeststrafe von 5 Jahren ermaessigt auf 2 Jahre (Nr. 3 erste Alt.).
  • Konkreter Strafrahmen: 2 Jahre bis 11 Jahre 3 Monate.

Beispiel 3: Mehrere Milderungsgruende — Beihilfe + § 21 StGB beim Totschlag

  • Zwingende Milderung § 27 Abs. 2: 2 Jahre bis 11 Jahre 3 Monate (siehe Beispiel 2-Logik bei § 49 Abs. 1 StGB).
  • Hinzu § 21 StGB: erneute Milderung nach § 49 Abs. 1 StGB:
  • Hoechstmass: 3/4 von 11 Jahren 3 Monaten = ca. 8 Jahre 5 Monate.
  • Mindestmass: bei Ausgangsmindeststrafe von 2 Jahren ermaessigt auf 6 Monate.
  • Konkreter Strafrahmen nach Mehrfachmilderung: 6 Monate bis ca. 8 Jahre 5 Monate. BGH-Aktenzeichen zur Berechnungstechnik der mehrfachen Milderung vor Zitat verifizieren in dejure.org/openjur.de.

Schritt-fuer-Schritt-Anleitung

  1. Welche Strafmilderungsnorm liegt vor (§ 17, 21, 23 Abs. 2, 27 Abs. 2, 28 Abs. 1, 35 Abs. 2, 46a, 46b StGB)?
  2. Verweist die Norm auf § 49 Abs. 1 oder Abs. 2 StGB?
  3. Ist die Milderung zwingend oder fakultativ (kann/muss)?
  4. Liegen mehrere Milderungsgruende vor? Reihenfolge der Anwendung?
  5. Konkreten Strafrahmen ausrechnen.
  6. In den so geschaffenen Strafrahmen die konkrete Strafe nach § 46 StGB einordnen.

Typische Fehler

  • § 49 Abs. 1 falsch berechnet: Hoechstmass falsch (1/2 statt 3/4) oder Mindestmass nicht reduziert (Nr. 3-Tabelle nicht angewendet).
  • Milderung uebersehen: Beihilfe nach § 27 Abs. 2 StGB ist zwingend.
  • Mehrere Milderungen falsch verkettet: jede Milderung wird auf das Ergebnis der vorigen angewendet.
  • § 49 Abs. 2 statt Abs. 1 verwendet, obwohl Norm Abs. 1 vorschreibt.
  • § 46a StGB ohne Pruefung, ob Strafrahmen "nicht ueber 1 Jahr" auch fuer den konkret drohenden Bereich gilt (siehe Spezial-Skill).

Querverweise

  • strafrahmen-und-strafzumessungsstufen — Strafrahmen-Logik.
  • minder-schwerer-fall-und-besonders-schwerer-fall — Strafrahmen-Modifikation neben § 49 StGB.
  • taeter-opfer-ausgleich-46a-stgb-und-schadenswiedergutmachung — § 46a Wechsel auf § 49 Abs. 1 StGB.
  • paragraph-46-stgb-grundsatz-strafzumessung — Strafzumessung nach Strafrahmen-Bildung.

Quellen und Stand 05/2026

  • § 49 StGB in der geltenden Fassung.
  • §§ 17, 21, 23 Abs. 2, 27 Abs. 2, 28, 35 Abs. 2, 46a, 46b StGB.
  • BGH-Linie zur mehrfachen Milderung — Aktenzeichen in dejure.org/openjur.de verifizieren.
  • Quellenregel: vgl. references/zitierweise.md.
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