Material-Vertragsverzeichnis (Disclosure Schedule)
Triage zu Beginn
Vor der Anhangs-Erstellung klaeren:
- SPA-Definition vorhanden? Ist die SPA-Definition des Begriffs "wesentlicher Vertrag" (Material Contract) aus dem Vertragstext extrahiert? Falls nicht: SPA zuerst lesen; CLAUDE.md-Schwellenwerte sind nur Fallback.
- Transaktionsstruktur: Share Deal (Gesellschaft mit Vertraegen geht ueber) oder Asset Deal (§ 415 BGB: Zustimmung der Gegenpartei bei Schulduebernahme)? Bei Asset Deal: Zustimmungserfordernisse weitaus umfangreicher.
- Due-Diligence-Daten verfuegbar? Vertragsbestand aus Datenraum oder Disclosure Schedule extrahiert? Falls nicht: DD-Ergebnisse zuerst importieren (Skill
dd-findings-extraktionodertabellenpruefung). - Anhangformat bekannt? Gibt es andere Anhaenge im SPA-Entwurf als Formatvorlage? Nummerierte Liste oder Tabelle?
- Over-Disclosure-Risiko beachten? Der Anhang ist eine Gewaehrleistung, kein Datendump. Nur Vertraege aufnehmen, die ein SPA-Kriterium erfuellen.
- Regulierte Branche? Energieversorgung, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, oeffentliche Auftraege — behoerdliche Zustimmungspflichten zusätzlich pruefen.
Zweck
Der Unternehmenskaufvertrag (SPA/Anteilskaufvertrag) enthält eine Gewährleistung: "Anhang [X] listet alle wesentlichen Verträge der Gesellschaft." Dieser Skill erstellt diesen Anhang aus den Due-Diligence-Erkenntnissen — welche Verträge sind wesentlich im Sinne der SPA-Definition, in dem Format, das der SPA vorschreibt.
Eingaben
- Unternehmenskaufvertrag (SPA) oder Entwurf davon — für die Definition "wesentlicher Vertrag" und das Anhangformat
- Due-Diligence-Erkenntnisse aus dem Vertragsreview (vertragsebene Daten)
- Praxisprofil (CLAUDE.md) → Wesentlichkeitsschwellen (können von der SPA-Definition abweichen — SPA-Definition hat Vorrang)
- Optional: Bestehende Anhänge im SPA als Formatvorlage
Rechtlicher Rahmen
Wesentlichkeit / Disclosure: §§ 443, 444 BGB (Garantien; Haftungsausschluss); §§ 453, 435 BGB (Sachmängelgewährleistung beim Rechtskauf, Unternehmenskauf); § 311 Abs. 2 BGB (culpa in contrahendo; Offenlegungspflichten in der Due Diligence).
Change-of-Control-Klauseln: Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Vertragsregister und Anhangpflichten: § 15 GmbHG (Abtretung von Geschäftsanteilen — Auswirkung auf Vertragsabschluss); § 40 GmbHG (Gesellschafterliste); §§ 246 ff. HGB (Jahresabschluss, Vollständigkeit); Art. 6 Abs. 1 lit. c DSGVO (Datenverarbeitung in Due Diligence).
- Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen zitieren. Literatur nur nutzen, wenn der Nutzer die Quelle bereitstellt oder ein lizenzierter Live-Zugriff sie verifiziert.
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Ablauf
Schritt 1: SPA-Definition ermitteln
Die Definition "wesentlicher Vertrag" aus dem SPA extrahieren — die SPA-Definition ist maßgeblich, nicht der eigene Schwellenwert aus CLAUDE.md. Bei Abweichungen: SPA-Definition verwenden und die Differenz flaggen.
Transaktionsstruktur beachten (Share Deal / Asset Deal / Verschmelzung): Bei einem Asset Deal nach §§ 433 ff. BGB sind Zustimmungserfordernisse bei Vertragsübergang nach § 415 BGB anders zu behandeln als beim Share Deal, wo die Gesellschaft mit ihren Verträgen übergeht. Regulierte Branchen (Energieversorgung, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, öffentliche Aufträge) können zusätzliche behördliche Zustimmungspflichten begründen — diese sind gesondert zu recherchieren und mit Norm zu belegen.
Typische Prüfkategorien aus SPA-Definitionen (kein Ersatz für die tatsächliche SPA-Lektüre):
- Jahres- oder Gesamtwertschwelle
- Vertragslaufzeit
- Change-of-Control- oder Abtretungsbeschränkung
- Exklusivität oder Wettbewerbsverbot
- Top-N-Kunden- oder Lieferantenverträge
- Grundstücksnutzungsverträge (Miet- und Pachtverträge)
- IP-Lizenzen (in- und outbound)
- Konzerninterneliche Verträge (Related-Party-Agreements)
- Öffentliche Aufträge / Vergabeverträge
- Außerordentliche Verträge (außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs)
Schritt 2: Definition auf Due-Diligence-Erkenntnisse anwenden
Für jeden geprüften Vertrag:
| Vertrag | Erfüllte Prüfkriterien | Aufnahme | |---|---|---| | [Name] | [Jahreswert > X EUR; CoC-Klausel] | Ja | | [Name] | [keines] | Nein |
Grenzfälle zur menschlichen Entscheidung flaggen:
- Vertrag liegt knapp unterhalb des Schwellenwerts, ist aber geschäftlich bedeutsam
- Vertrag erfüllt ein Prüfkriterium, wird aber ohnehin beendet
- Mündliche Vereinbarungen oder Side Letters, deren Zuordnung zweifelhaft ist
- Lieferantenverträge mit Exklusivitätsklauseln, die nicht ausdrücklich als "wesentlich" eingestuft wurden
Schritt 3: Anhangdaten zusammenstellen
Für jeden aufzunehmenden Vertrag werden typischerweise benötigt:
| Feld | Quelle | |---|---| | Name der Vertragspartei / Gegenpartei | Vertrag | | Vertragsbezeichnung und -typ | Vertrag | | Datum | Vertrag | | Laufzeit / Ablauf | Vertrag | | Jahres- / Gesamtwert | Vertrag oder Unternehmensdaten | | Erfülltes SPA-Prüfkriterium | Schritt-2-Analyse | | Zustimmungserfordernis für die Transaktion | Due-Diligence-Erkenntnis | | Datenraum-Referenz | Due-Diligence-Verzeichnis |
Aus bestehenden Due-Diligence-Extraktionen ziehen. Fehlende Felder flaggen — nicht schätzen.
Schritt 4: Format nach SPA
Offenlegungsanhänge haben ein einheitliches Format — in der Regel eine nummerierte Liste oder Tabelle, teilweise mit Unterabschnitten nach Vertragstyp. Format der anderen Anhänge im SPA-Entwurf übernehmen.
## Anhang [X] — Wesentliche Verträge
Die folgenden Verträge sind wesentliche Verträge im Sinne des Kaufvertrags:
### (a) Kundenverträge
1. [Vertragsbezeichnung], datiert [Datum], zwischen [Zielgesellschaft] und [Gegenpartei].
[Kurzbeschreibung, falls das Format eine solche vorsieht.]
[Datenraum: Pfad]
2. [...]
### (b) Lieferantenverträge
[...]
### (c) Grundstücksnutzungsverträge
[...]
### (d) IP-Lizenzverträge
[...]
[etc. — Unterabschnitte gemäß SPA-Definitionsstruktur]
Schritt 5: Zustimmungs-Overlay
Separat (nicht im Anhang selbst — dies ist interne Arbeit): Verfolgen, welche Vertragsanhänge Zustimmungen erfordern.
Das Zustimmungs-Overlay und jeder Vorentwurf des Anhangs stammen aus privilegierten Due-Diligence-Unterlagen und teilen deren Vertraulichkeitsstatus gemäß § 43a Abs. 2 BRAO. Interne Annotationen vor Übergabe des finalen Anhangs als Vertragsanlage entfernen.
| Anhang # | Gegenpartei | Zustimmung erforderlich | Status | Verantwortlich | Frist | |---|---|---|---|---|---| | X(a)(1) | [Name] | Ja — CoC § 12.2 | Angefragt | [Name] | [Datum] |
Dieses Overlay speist die Abschluss-Checkliste.
Schritt 6: Gegenprüfung
Vor Übergabe:
- Jeder Vertrag, der ein Prüfkriterium erfüllt, ist im Anhang (Vollständigkeit)
- Kein Vertrag, der kein Prüfkriterium erfüllt, ist im Anhang (kein Over-Disclosure — es ist eine Gewährleistung, kein Datendump)
- Anhang ist konsistent mit anderen Gewährleistungsanhängen (ein Vertrag in Anhang [X], der ein Pfandrecht begründet, muss auch im Pfandrechtsanhang erscheinen)
- Jeder Eintrag hat eine Datenraum-Referenz, damit Käuferberater das Ursprungsdokument findet
Ausgabeformat
- Anhang im SPA-konformen Format (Markdown, uebertragbar in Word/PDF)
- Internes Zustimmungs-Overlay als Tabelle (fuer Abschluss-Checkliste)
- Flaggenliste mit Grenzfaellen zur menschlichen Entscheidung
Output-Template
Adressat: Transaktionsteam / SPA-Verhandlung — Tonfall: praezise-strukturiert, SPA-konform
## Anhang [X.X] — Wesentliche Vertraege (Material Contracts)
> INTERN: Dieser Anhang-Entwurf ist ein privilegiertes Arbeitsdokument.
> Interne Annotatio