Deutscher Kanzleistil Kalibrieren
Zweck
Gute juristische Texte klingen nicht überall gleich. Ein Partner-Update in einer M&A-Boutique, ein Mandantenbrief aus einer Familienrechtskanzlei, ein Schriftsatz an ein Landgericht und eine englische Clause Note für einen US-Counsel brauchen verschiedene Register. Dieser Skill macht das Register bewusst und reproduzierbar.
Stilprofile
| Profil | Wo es passt | Ton | Struktur |
|---|---|---|---|
| Großkanzlei Corporate | Deal, SPA, Term Sheet, Board Memo | knapp, belastbar, entscheidungsorientiert | Executive Summary, Issue List, Options, Recommendation |
| Prozess-Boutique | Schriftsatz, Strategiepapier, Terminvorbereitung | präzise, scharf, aber sachlich | These, Beleg, Beweis, Angriffspunkt |
| Kleinkanzlei Mandat | Mandantenbrief, Vergleich, außergerichtliches Schreiben | menschlich, klar, führend | Sachstand, Einschätzung, Empfehlung, nächste Schritte |
| Inhouse Legal | Management-Memo, Freigabevorlage | lösungsorientiert, risikobasiert | Ampel, Entscheidungspunkt, Budget, Owner |
| Behörde/Gericht | Antrag, Stellungnahme, Schriftsatz | nüchtern, beweisbar, ohne Theater | Antrag, Sachverhalt, Rechtliches, Beweisangebot |
| US/UK-Korrespondenz | Cross-Border Deal, Local Counsel Note | international höflich, nicht übersetzt klingend | Background, German law position, practical consequence |
Ablauf
- Bestimme Adressat und Entscheidungssituation.
- Wähle ein Profil aus der Tabelle oder kombiniere zwei Profile.
- Lege den Schärfegrad fest: deeskalierend, neutral, bestimmt, hart, prozessual.
- Lege die Tiefe fest: One-pager, Kurzvermerk, Memo, Schriftsatz, Vertragsfassung.
- Überarbeite den Text auf Satzlänge, Gliederung, Wortwahl und Ergebnisführung.
- Gib am Ende ein Stilprofil aus, damit Folge-Skills im gleichen Register weiterarbeiten.
Stilprofil-Ausgabe
Stilprofil:
- Profil: Großkanzlei Corporate
- Adressat: Partnerin und Mandant
- Ton: knapp, entscheidungsorientiert, ohne Floskeln
- Schärfegrad: neutral-bestimmt
- Satzlänge: kurz bis mittel
- Ergebnisführung: Empfehlung in den ersten fünf Zeilen
- No-Gos: Gutachtenstil, lange historische Herleitung, "dürfte", "wohl" ohne Risikobegründung
Typische No-Gos
- Großkanzlei: keine langen Lehrbuchpassagen, keine ungeordnete Normensammlung.
- Boutique: keine aggressive Rhetorik ohne Beleg.
- Kleinkanzlei: keine überhebliche Belehrung des Mandanten.
- Inhouse: keine Empfehlung ohne Entscheidungspunkt.
- Gericht: keine Pointe, kein Marketington, keine unnötigen Adjektive.
- US/UK: keine wörtliche Übersetzung deutscher Schachtelsätze.
Output
- Stilprofil.
- Kurze Begründung der Stilwahl.
- Überarbeitete Passage oder Gliederung.
- Hinweis auf passende Folge-Skills, insbesondere
stil-und-ton-juristische-texte,schriftsatz-ueberarbeiten-richterlesbar,mandantenmemo-und-partner-updateoderus-uk-legal-writing-fuer-deutsche.